Lesermeinung

Zum Bericht „Schillers Räuber und Maria Stuart inspiriert durch Gmünd“ über eine Stadtführung in Schwäbisch Gmünd:

„Schillers Räuber und Maria Stuart inspiriert durch Gmünd“. So heißt die Überschrift des Berichtes über eine Stadtführung in Gmünd in der Gmünder Tagespost am Montag, 29. Juni, auf Seite 9. Eine sehr gewagte Behauptung.

Schon dass der dreijährige Friedrich Schiller „in den Gassen Schwäbisch Gmünds gespielt haben soll“, ist kaum glaubhaft, denn der Vater des Dichterfürsten, Johann Caspar Schiller, war zwar von Ende 1763 bis Ende 1766 als Werbeoffizier in Schwäbisch Gmünd tätig. Jedoch wohnte die Familie im benachbarten württembergischen Lorch und nicht in der Freien Reichsstadt Schwäbisch Gmünd. „Der billigeren Lebenshaltungskosten wegen zog man ins benachbarte Dorf Lorch.

An diesen Ort wird sich Friedrich Schiller später wie an ein verlorenes Paradies der frühen Kindheit erinnern.“ Dieser Satz stammt übrigens nicht von einem Lorcher Lokalpatrioten, sondern von Rüdiger Safranski in seiner Schillerbiographie von 2004, S. 22. Der junge Friedrich Schiller (geboren am 10. November 1759) verbrachte also einen Teil seiner Kindheit, von seinem 4. bis zu seinem 7. Lebensjahr, in Lorch.

Dass ihn seine Lebensumstände im zarten Vorschulalter zum Drama „Maria Stuart“, in dem der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten seinen Niederschlag fand, inspiriert haben soll, scheint doch äußerst unwahrscheinlich. Einen Beleg dafür gibt es meines Wissens nicht.

Einen deutlichen Bezug zu Schillers erstem Schauspiel „Die Räuber“ gibt es jedoch, allerdings nicht zu Schwäbisch Gmünd, sondern zu Lorch. Friedrich Schiller besuchte die Grundschule in Lorch und lernte dort lesen und schreiben.

Beim Lorcher Pfarrer Philipp Ulrich Moser erhielt der junge Friedrich Schiller Unterricht in Latein und Griechisch. Und diesem Pfarrer Moser setzte Schiller ein Denkmal, indem er ihn im letzten Akt der Räuber auftreten lässt, um dem Bösewicht Franz Moor seine Missetaten vorzuhalten.

© Schwäbische Post 29.06.2020 19:00
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