Lesermeinung

Zum erneuten Lockdown durch die Politik:

Die Regierung zieht zum Schutz der Bürger*innen die Notbremse und fährt mit dem zweiten, coronabedingten Lockdown weite Teile des Einzelhandels gegen die Wand.

Seit Jahren wird der stationäre Einzelhandel politisch im Stich gelassen. Speziell beim Thema Onlinehandel steckt die Politik den Kopf in den Sand. Wir Einzelhändler können in einem fairen Wettbewerb mit allen Mitbewerbern auskommen und Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Wenn jedoch „Amazon.de“ mit Firmensitz in Luxemburg praktisch keine Ertragssteuern in Deutschland zahlt, dazu seine Mitarbeiter und Kurierdienste elektronisch perfekt überwacht, dann ist der faire Wettbewerb ausgehebelt.

Der Weg aus der sozialen Marktwirtschaft wird freigemacht für eine neoliberale Weltwirtschaft zugunsten weniger Profiteure.

Ein zweiter Lockdown wäre vermeidbar gewesen. Wissenschaftler und Virologen haben frühzeitig Gefahren und Strategien aufgezeigt. Ebenso haben die Hygienekonzepte der Gastronomie und des Einzelhandels gegriffen. Weder Restaurants noch Läden waren Pandemietreiber.

Für lebendige und funktionierende Innenstädte mit inhaber- und familiengeführten Fachgeschäften, die Gewerbesteuer zahlen und die Infrastruktur damit finanzieren, ist es nun fünf vor zwölf. Und auch ein Jeff Bezos wäre zum Schutz aller mit politischem Willen zu regulieren– bevor er zu einem Handelsdiktator aufsteigt. Die Zeit für schöne, leere Worte ist vorbei. Die Politik muss handeln.

Hüttlingen und Ellwangen

© Schwäbische Post 21.12.2020 18:03
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Kommentare

Karin Hofmann

Sehr geehrte Familie Horlacher,

danke für Ihre Wahrheit:

"Ein zweiter Lockdown wäre vermeidbar gewesen. Wissenschaftler und Virologen haben frühzeitig Gefahren und Strategien aufgezeigt. Ebenso haben die Hygienekonzepte der Gastronomie und des Einzelhandels gegriffen. Weder Restaurants noch Läden waren Pandemietreiber".

Das sehe ich auch so. Sie alle haben die Auflagen meisterlich erfüllt und waren die Leidtragenden, bis heute. Die größten, kompakten Ausbrüche in Kirchen haben wir vergessen! Während SIE schliessen mussten, Kino, Theater, Vorträge, auch mit Abstand und MNS geschlossen wurden ist am 1. Weihnachtsfeiertag, trotz Anordnung für die Kirchen "MNS, Abstand und KEIN SINGEN" in der Kirche folgendes möglich: Diese Einladung/Anzeige war heute in der Schwäpo:

"Weihnachten international
Aalen. In der Augustinuskirche werden am 1. Weihnachtsfeiertag, 25. Dezember, um 9.30 und 11 Uhr zwei internationale Gottesdienste mit Liedern, Gebeten und Beiträgen aus verschiedenen Kontinenten und Kulturen gefeiert. Südamerikanische Weihnachtslieder singt der kubanische Gitarrist Javier Herrera und bringt Weihnachtsfreude und Begeisterung aus seiner Heimat mit. Aus Afrika und Indien werden ebenfalls musikalische Weihnachtsgrüße vorgetragen. Zur Einstimmung wird Herrera eine Viertelstunde vor Beginn Weihnachtslieder ansingen. Es gibt noch freie Plätze. Anmeldung erwünscht unter www.katholische-kirche-aalen.de".

Da müssen SIE sich, genauso wie ich, "verscheissert" vorkommen. Zweierlei Mass? Daß dies möglich ist, erlaubt und "abgesegnet" (durch Gott versteht sich), ist ein Politikum in Aalen ohnegleichen. Nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt hiess es: "Der Veranstalter trägt die Verantwortung". In dem Fall die katholische Kirche. Sie werden sich aber um diese Sache kümmern......??? Was für eine Conora-Behörden-Farce!

In my humble opinion

W Dan schrieb am 21.12.2020 um 19:59

... bedeutet "Geschäftsschließung" auch dass der Geschäftsbetrieb entgültig eingestellt wird, was ja bei einem "lockdown" nicht passiert sondern die Kunden für einen bestimmten Zeitraum Ausgesperrt werden.
...

Unser Problem ist, dass wir häufig glauben, "englisch" zu sprechen, wie "equal goes it loose" oder "I want to become a beefsteak", andere Beispiele "modernen denglischs" erspare ich mir.

Bei einer "Ausgangssperre" könnten sämtliche Geschäfte geöffnet haben ( bringt aber nicht viel mangels Kunden ), wohingegen bei einem "shutdown" die Kunden zwar an die Ladentür klopfen dürfen, die aber nicht aufgehen - bringt also auch nicht viel. Es steht auch nirgendwo geschrieben, dass ein "shutdown" dauerhaft und endgültig sein muss.

Und so bleibt uns die Frage, was wohl effektiver die Verbreitung des Sars-CoV-2 verhindert, eine ( zeitweilige ) Geschäftsschließung oder eine ( zeitweilige ) Ausgangssperre? Oder könnte eine Kombination noch wirksamer sein, weil das Eine ohne das Andere auch nicht funktioniert?

Und wenn wir endlich mal genauer sagen könnten, warum die Zahlen jetzt so steigen, könnten wir auch eine Antwort auf die Frage geben.

Und dann können wir vielleicht auch die Frage beantworten, was den "stationären Einzelhandel" besonders bedroht, die Online-Bestellungen oder der Versandhandel.

W Dan

In my humble opinion schrieb am 21.12.2020 um 19:11

Bei allen Ungereimtheiten der politischen Aktionen, auch wenn - wie Sie schreiben - Handel und Gastronomie nicht der Treiber waren, wie wollen wir denn die erhebliche Zunahme an Infektionen, an belegten Intensivbetten und an Toten erklären?

Und am besten nicht nur erklären, sondern die geeigneten Maßnahmen finden/anordnen/einhalten, die wirksam die Verbreitung des Virus verhindern?

In diesem Zusammenhang finde ich die inflationäre, unüberlegte Verwendung des englischen Begriffs "lockdown" als ein Maß dafür, dass wir im Grunde nicht wissen, worüber wir eigentlich reden.

Laut "Leo" ( dict.leo.org ) ist "lockdown" die "Ausgangssperre", wohingegen "shutdown" als "Schließung, Stilllegung" zu übersetzen ist.

Wenn wir also "Ausgangssperre" und "Geschäftsschließung" nicht auseinander halten können/wollen, brauchen wir uns über andere Ungereimtheiten nicht zu wundern.

Wenn wir dann schon bei Wortglauberei sind bedeutet "Geschäftsschließung" auch dass der Geschäftsbetrieb entgültig eingestellt wird, was ja bei einem "lockdown" nicht passiert sondern die Kunden für einen bestimmten Zeitraum Ausgesperrt werden.

Ja die Herren Horlacher haben schon recht, es trifft immer die Falschen, aber wer wären die Richtigen.

Oder am bessen alle oder keiner, wäre aber auch falsch, also wer wären die Richtigen?

In my humble opinion

Bei allen Ungereimtheiten der politischen Aktionen, auch wenn - wie Sie schreiben - Handel und Gastronomie nicht der Treiber waren, wie wollen wir denn die erhebliche Zunahme an Infektionen, an belegten Intensivbetten und an Toten erklären?

Und am besten nicht nur erklären, sondern die geeigneten Maßnahmen finden/anordnen/einhalten, die wirksam die Verbreitung des Virus verhindern?

In diesem Zusammenhang finde ich die inflationäre, unüberlegte Verwendung des englischen Begriffs "lockdown" als ein Maß dafür, dass wir im Grunde nicht wissen, worüber wir eigentlich reden.

Laut "Leo" ( dict.leo.org ) ist "lockdown" die "Ausgangssperre", wohingegen "shutdown" als "Schließung, Stilllegung" zu übersetzen ist.

Wenn wir also "Ausgangssperre" und "Geschäftsschließung" nicht auseinander halten können/wollen, brauchen wir uns über andere Ungereimtheiten nicht zu wundern.

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