Lesermeinung

Zum Gewerbegebiet Neunheim

Es wird mal wieder gebaut in Ellwangens Industriegebiet. 90 Hektar sollen „versiegelt“ werden. Unwiederbringbar verloren für die Landwirtschaft, und für immer rausgenommen aus der Nahrungsmittelproduktion. Zahlreiche Pflanzen, Bäume, Vögel, Insekten und noch viel mehr Lebewesen erleiden den Exodus durch Bagger und Beton. Um die Ernährung der Bevölkerung weiter zu sichern, werden für die 90 Hektar in Ellwangen mindestens 200 Hektar Regenwald in Südamerika brennen, da in weniger günstigen Lagen als der unseren, mehr als das Doppelte an Fläche für die adäquate Produktion an Lebensmitteln benötigt wird. Irgendwo muss das Essen ja herkommen. Die volksbegehrenden Bienenfreunde befinden sich vermutlich im Winterschlaf. Varta, bereits schon mit drei Standorten in Ellwangen vertreten, wird vermutlich den größten Teil des neuen Areals beanspruchen und entsprechend bebauen. Steht ihr zu, mit über 500 Beschäftigten und entsprechender Gewerbesteuerabgabe. Die Zuwendung von Bund und Land über 198 Millionen aufs Konto der Varta muss wieder in Umlauf gebracht werden. Die Landwirtschaft verliert, wie immer, gegen die Industrie. Ernährung gegen Arbeitsplätze. Grundsteuer A gegen Gewerbesteuer. Batterien kann niemand essen, aber der Lohn der Batteriefabrik ermöglicht es dem Menschen, Essen zu kaufen, woher auch immer.

Einzig und allein die Zuwendung von 198 Millionen – davon ist die Landwirtschaft noch sehr weit entfernt. Bleibt zu hoffen, dass die unbeugsamen, nicht zum Verkauf gewillten Landwirte, nicht auch noch enteignet werden.

© Schwäbische Post 19.11.2020 19:03
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