Lesermeinung

Zum SchwäPo-Artikel „Widerspruch gegen Erweiterung“ vom 12. Januar:

Es stimmt schon, dass es schwerwiegende Gegenargumente gegen die Zukunft des Kobeleshofs gibt. Insofern hat der BUND recht, wenn dieser die Finger in die Wunden legt. Der Eingriff in die Natur wird/würde immens sein, wenn der bisherige Rinderbestand quasi fast verdoppelt werden soll. Doch, so frage ich, wer hilft eigentlich dem bäuerlichen Unternehmer, der nach dem Prinzip „weichen oder wachsen“ keine andere Möglichkeit findet, sich in seinem Anwesen zu behaupten.

(...)Alternativen wurden offensichtlich bei dem bereits genehmigten Bauvorhaben nicht gesucht. Und so hängt alles an dem bereits genehmigten Bauvorhaben und konzentriert sich auf die sechs Punkte, die vom BUND vorgebracht sind. Stagnation oder Blockade, das ist das Zauberwort, so wie vom BUND gefordert. Im Klartext fordert der BUND die Abkehr von der industriellen Landwirtschaft und den Rückwärtsgang in eine romantisch verbrämte Landwirtschaft, in der niemand überleben kann. (...)

Diese Verweigerungshaltung würde das Höfesterben in rasantem Tempo beschleunigen. (...) Alles reduziert sich auf die Entscheidung des Regierungspräsidiums. Und nach dessen Entscheidung gibt es noch den Klageweg. Es ist zu befürchten, dass es noch ein weiter Weg bis zum Ziel werden wird. Nach meiner Meinung hängt alles an der Aussage: „Fortschritt oder Rückschritt“? Ich habe mich entschieden. Ich bin für den Fortschritt!

© Schwäbische Post 13.01.2021 22:03
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Kommentare

Christine Fuchs

In my humble opinion schrieb am 18.01.2021 um 14:38


Da wurde wohl ein Leserbeitrag ohne den kleinsten Hinweis auf die Gründe dazu in den E-Orkus verschoben, als hätte es ihn nie gegeben – Netiquette ist das nicht.


Mich wundert aber, dass die Vorkommentatoren, die sich auf diesen Teilsatz beziehen, nicht die Wortwahl reklamieren, seit wann werden denn Lebewesen „hergestellt“? Die Tiere werden zum Verzehr gezüchtet, groß gezogen oder gehalten, aber doch nicht „hergestellt“.


Auf der anderen Seite sollten wir uns vor romantischer Verklärung ( Im Märzen der Bauer
die Rösslein einspannt … er ackert, er egget, er pflüget und sät … ) hüten, der Bauer lässt auf dem Acker die Pflanzen wachsen, die entweder später zubereitet uns als Nahrung oder den Tieren, die wir dann später aufessen, als Futter dienen – wenigstens so ungefähr. Der Ackerboden ist nicht vermehrbar, seine Qualität nur schwer zu verbessern, aber ganz leicht zu verschlechtern, langfristig denkende Bauern werden doch wohl nicht wissentlich ihre Produktionsgrundlagen zerstören.
In einer überregionalen Zeitung war ein Artikel über die Bauernproteste zu lesen und es gab eine Grafik, dass heutzutage nur noch etwa 4% des vom Kunden im Geschäft bezahlten Brotpreises beim Getreidebauern landen, im Jahr 1950 seien es noch 45% gewesen. Beim Fleisch seien die Zahlen für heute 22% ( Kunde -> Bauer ), im Jahr 1950 war die Zahl noch 67% - und das alles, obwohl ein Kunde heute weniger Arbeitszeit für ein kg Brot oder Fleisch aufwenden muss. In der Industrie sehen wir, dass eine Massenproduktion ( zB von Autos ) nicht durch das „auf Verschleiß fahren“ der Produktionsmittel oder durch die Ausbeutung der Arbeiter vonstattengeht. Anders herum, ein in handwerklicher Arbeit ( etwa analog zu „kleinbäuerlich“ ) hergestelltes Auto könnten nur ganz wenige bezahlen und es gäbe viel weniger Autos, weniger Lastwagen, weniger Busse, auch handwerklich hergestellte Fahrräder wären Luxusartikel, die Mehrheit ginge zu Fuß und die Supermärkte in den Außenbezirken gäbe es auch nicht. Klar, wir hätten weniger von den Problemen, die wir heute beklagen, aber dafür hätten wir ganz andere Probleme. Und so gesehen retten wir die Landwirtschaft nicht, indem wir die Erweiterung eines Hofes verweigern, wir müssen das Prinzip ändern.

Lieber Mister humble, nein ich möchte keine  Wortglauberei betreiben, aber da muss ich Ihrem Vorkommentator Recht geben. Früher wurden die Tiere noch auf herkömmliche und normale Art gezüchtet. Heute werden sie fliessbandmässig  in  der Massentierhaltung "her gestellt ". Wenn tausende Tiere am Stück künstlich besamt werden, ist das eine industrielle Herstellungsart. Hoffentlich bleibt das uns Menschen erspart. Die bäuerliche Romantik vom  " im Märzen der Bauer" ist leider auch vorbei. Dieses Lied kennen unsere Kinder garnicht mehr. Unsere Volkslieder wurden auch abgeschafft, wir so vieles anderes auch.

In my humble opinion

derleguan schrieb am 17.01.2021 um 16:18 Uhr

Peter Kuch schrieb am 17.01.2021 um 15:32
Höfesterben weil zu wenig Rinder und Schweine hergestellt werden?


Da wurde wohl ein Leserbeitrag ohne den kleinsten Hinweis auf die Gründe dazu in den E-Orkus verschoben, als hätte es ihn nie gegeben – Netiquette ist das nicht.


Mich wundert aber, dass die Vorkommentatoren, die sich auf diesen Teilsatz beziehen, nicht die Wortwahl reklamieren, seit wann werden denn Lebewesen „hergestellt“? Die Tiere werden zum Verzehr gezüchtet, groß gezogen oder gehalten, aber doch nicht „hergestellt“.


Auf der anderen Seite sollten wir uns vor romantischer Verklärung ( Im Märzen der Bauer
die Rösslein einspannt … er ackert, er egget, er pflüget und sät … ) hüten, der Bauer lässt auf dem Acker die Pflanzen wachsen, die entweder später zubereitet uns als Nahrung oder den Tieren, die wir dann später aufessen, als Futter dienen – wenigstens so ungefähr. Der Ackerboden ist nicht vermehrbar, seine Qualität nur schwer zu verbessern, aber ganz leicht zu verschlechtern, langfristig denkende Bauern werden doch wohl nicht wissentlich ihre Produktionsgrundlagen zerstören.
In einer überregionalen Zeitung war ein Artikel über die Bauernproteste zu lesen und es gab eine Grafik, dass heutzutage nur noch etwa 4% des vom Kunden im Geschäft bezahlten Brotpreises beim Getreidebauern landen, im Jahr 1950 seien es noch 45% gewesen. Beim Fleisch seien die Zahlen für heute 22% ( Kunde -> Bauer ), im Jahr 1950 war die Zahl noch 67% - und das alles, obwohl ein Kunde heute weniger Arbeitszeit für ein kg Brot oder Fleisch aufwenden muss. In der Industrie sehen wir, dass eine Massenproduktion ( zB von Autos ) nicht durch das „auf Verschleiß fahren“ der Produktionsmittel oder durch die Ausbeutung der Arbeiter vonstattengeht. Anders herum, ein in handwerklicher Arbeit ( etwa analog zu „kleinbäuerlich“ ) hergestelltes Auto könnten nur ganz wenige bezahlen und es gäbe viel weniger Autos, weniger Lastwagen, weniger Busse, auch handwerklich hergestellte Fahrräder wären Luxusartikel, die Mehrheit ginge zu Fuß und die Supermärkte in den Außenbezirken gäbe es auch nicht. Klar, wir hätten weniger von den Problemen, die wir heute beklagen, aber dafür hätten wir ganz andere Probleme. Und so gesehen retten wir die Landwirtschaft nicht, indem wir die Erweiterung eines Hofes verweigern, wir müssen das Prinzip ändern.

derleguan

Peter Kuch schrieb am 17.01.2021 um 15:32

Höfesterben weil zu wenig Rinder und Schweine hergestellt werden?.........

Sehr geehrter Herr Kuch,

alles steht und fällt mit der Praxis der Vergabe von EU-Agrarsubventionen. Der (Bauer) besser Manager des Kolbenhofes richtet sich nach den Vorgaben der EU-Agrarsubventionen und versucht dort das Maximum rauszuholen. Diese Praxis der Subventionsvergabe wird gerade für die nächsten 7 Jahre neu Verhandelt. Leider wird an der alten Praxis der Vergabe nach Mengensubvention festgehalten. Wer viel "produziert" bekommt viel. Deshalb sollten bitte alle Leser den Apell von Campact für eine Änderung der Agrarsubventionen lesen und unterschreiben: https://act.wemove.eu/campaigns/agrar-deal-stoppen

Peter Kuch

Höfesterben weil zu wenig Rinder und Schweine hergestellt werden?

Seltsam: ist es nicht so, dass wenn - wie jetzt - der Export wegfällt, sich die Rinder- und Schweineproduktion staut. Der Preis verfällt? Die Schulden nicht mehr bedient werden können? Trifft das eher die Großen oder den Kleinen?

Zeigt das nicht gerade, dass die Konzentration auf ein Produkt und die Optimierung durch Senkung der Kosten/je Einheit, das Rad schneller in den Ruin bewegt?

Kann ein Hersteller, ein Händler, ein Landwirt (der nicht BIO sein muss) und auf Vielfalt, auf Qualität und höhere Preise/Einheit setzt, ruhiger schlafen?

Ist der Investor des Kobeleshofs vielleicht gerade sehr froh über die Verzögerung?

In my humble opinion

Ich wollte hier einen Kommentar schreiben und nachdem ich mich angemeldet, ihn vollständig formuliert und eingetippt und auf "Absenden" geklickt hatte ... war ich schon abgemeldet.

Also kein Kommentar.

Vielleicht auch besser.

Christine Fuchs

derleguan schrieb am 14.01.2021 um 10:01

Die bäuerliche Landwirtschaft und das regionale Lebensmittelhandwerk sind in Gefahr, das ist richtig. Aber nicht wegen der biologischen Herstellung von Lebensmitteln oder dem Verbot von Ackergiften. Agrarkonzerne und die Bundesregierung treiben die Industrialisierung der Land- und Lebensmittelwirtschaft voran. Die Folgen: Das weltweite Höfesterben schreitet rasant voran, die handwerkliche Lebensmittelherstellung wird verdrängt, die Artenvielfalt schwindet und die Klimakrise verschärft sich. Deshalb müssen die kleinen Betriebe, die ökologisch wirtschaften unterstützt und Großbetriebe die immer größer werden wollen verhindert werden.    <

Hallo der  leguan, Sie haben Recht. Das Höfesterben und die regionale Lebensmittelherstellung werden durch die industrielle Landwirtschaft verdrängt. Wie können sich die Verbraucher dagegen wehren,  wenn unsere Behörden z.B.  die Rinderzucht im Kobeleshof von 1300 auf 1500 vergrößert?  Natürlich fällt mehr Gülle an.  Die Tiere brauchen mehr Futter und Wasser . Wird es einfach genehmigt oder hört man hier auch mal die kleinen Bauern , die um ihre Existenz bangen ? Wird das von unserem Staat so gewollt?  Und was können wir Verbraucher zur Verhinderung tun ? Die insekten sterben mit diesen Monokulturen. Die Veganer sind auf dem Vormarsch.  Ständig wird vor allzuviel Fleischverbrauch gewarnt , und dann diese ständigen Vergrößerung. Und jetzt ? Natürlich wird der Vergrößerung statt gegeben ! So einfach ist das.  Die Gemeinderäte und das Landratsamt haben doch schon längst entschieden......

derleguan

Die bäuerliche Landwirtschaft und das regionale Lebensmittelhandwerk sind in Gefahr, das ist richtig. Aber nicht wegen der biologischen Herstellung von Lebensmitteln oder dem Verbot von Ackergiften. Agrarkonzerne und die Bundesregierung treiben die Industrialisierung der Land- und Lebensmittelwirtschaft voran. Die Folgen: Das weltweite Höfesterben schreitet rasant voran, die handwerkliche Lebensmittelherstellung wird verdrängt, die Artenvielfalt schwindet und die Klimakrise verschärft sich. Deshalb müssen die kleinen Betriebe, die ökologisch wirtschaften unterstützt und Großbetriebe die immer größer werden wollen verhindert werden.    <

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