Lesermeinung

Zur aktuellen Werbekampagne der IG Metall:

„Die Arbeitgeber denken nur an Profit“. Dies verkündet eine große Werbefläche der IG Metall zur aktuellen Tarifrunde auf einem Bahnsteig in Aalen. Schulklassen tummeln sich in der Nähe. Man versucht ihnen in der Schule beizubringen, dass verallgemeinernde Aussagen wie „Nordafrikaner sind kriminell“ diskriminierend, rassistisch und einfach unwahr sind. Als hätten wir nicht genug Beispiele erlebt, dass auch in Kreisen der Gewerkschaft unangemessenes eigenes Profitdenken keine Seltenheit ist.

Ich habe großen Respekt vor Handwerkern, die mutig Verantwortung tragen, eine Firma gründen oder den elterlichen Betrieb weiterführen und sich dabei manchmal auch über bildungspolitische Bedrängungen zum Studieren hinwegsetzen. Auch eine Köchin, die eine Gastwirtschaft eröffnet, schafft Arbeitsplätze, die sie gefährden würde, wenn sie nicht auch Gewinnorientierung im Auge hätte.

Wüsste ich nicht, wie wichtig eine abwägende, vertrauenswürdige und intelligente Arbeitnehmervertretung gegenüber durchaus vorhandener Arbeitgeberwillkür ist, würde ich mich über zahlreiche weitere Austritte aus dieser selbstgefälligen Organisation freuen. Wer, wie geschildert, im Fahrwasser solcher dummer Verallgemeinerungen agitiert, ist unglaubwürdig, wenn er dies bei anderen politischen Gruppierungen vollmundig kritisiert.

Im Übrigen gefällt mir, was Herrn Churchill dazu eingefallen ist: „Es gibt Leute, die halten Unternehmer für einen räudigen Wolf, den man totschlagen müsse, andere meinen, der Unternehmer sei eine Kuh, die man ununterbrochen melken kann. Nur ganz wenige sehen in ihm das Pferd, das den Karren zieht.“

© Schwäbische Post 25.01.2018 16:11
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