Naturmaterialien für ein gesünderes Zuhause

Nach dem Plastik-Synthetik-Boom vergangener Jahre liegt der „Know-Your-Roots“-Geist wieder in der Luft. Es wird sich wieder erinnert daran, dass draußen vor der Haustür noch anderes wartet außer Pentachlorphenol (PCP) und Polyester. Die Natur wird nämlich wieder verstärkt in den Innenraum geholt und das hat auch seine guten Gründe. Welche das sind, welche natürlichen Materialien man wo einsetzen kann und welche Rolle Qualität und Herstellung dabei spielen, lesen Sie hier.

Wer gestaltet warum seine Einrichtung mit natürlichen Materialien?

Worauf „Aussteiger“ und „Lifestyle-Gurus“ schon längst gekommen sind, erfasst jetzt auch weitere Teile der Bevölkerung. Materialien, die nur minimal behandelt werden, bis sie schließlich in unserem Wohnraum für uns zweckdienlich sind, werden als natürliche Materialen geführt. Manche würden sagen, man fände dadurch seine Verbindung zur Natur wieder und lebe dadurch besser. Für andere verbessert sich etwa das Schlaf- und Raumklima, oder es minimiert allergische Symptome.

Wie man es auch ausdrücken mag, jeder findet bestimmt im Einsatz von natürlichen Materialen in Kinderzimmer, Küche und Co. seine persönlichen Vorteile. Einige davon sind die folgenden:

Keine Schadstoffe im Wohnraum

Von elektromagnetischen Feldern und Formaldehyd in der Wandfarbe und in den Möbellacken ganz zu schweigen (denn einen Fernseher wird man wohl nicht mit natürlichen Materialen bauen bzw. ersetzen können), finden sich im Wohnraum unzählige Einrichtungsgegenstände, die mit Schadstoffe behaftet sind. Die meist gasförmigen Stoffe werden zum Teil sogar „Wohngifte“ genannt, wie zum Beispiel das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD), das zum Teil in Teppichen enthalten ist.

Solche Stoffe können den menschlichen Körper angreifen, beeinträchtigen und verschiedenste Krankheitsbilder hervorrufen. Daher schwören immer mehr Menschen auf Materialien, die eben nichts verströmen (außer vielleicht angenehme Düfte wie im Falle eines Zirbenbettes).

Die natürlichen Materialien sind nämlich per definitionem so wenig verarbeitet wie möglich und von Pflanzen etc. hätte man noch selten gehört, dass sie körperliche Beeinträchtigungen hervorgerufen hätten (außer natürlich bei Allergien, oder explizit giftigen Pflanzen). In der Regel holt man sich ohnehin aus der Natur, was einem zuträglich ist und diesbezüglich hat man eine wirklich sehr breite Auswahl.

Mit natürlichen Materialien das Schlafklima verbessern

Wo wir besonders empfindlich auf Schadstoffe, Bakterien und Feuchtigkeit zu reagieren scheinen, ist das Schlafzimmer. Das kommt auch nicht von ungefähr, ist doch der Schlaf dazu da den Körper und Geist zu resetten, um am nächsten Tag wieder voller Energie durchstarten zu können. Wird das durch allergische Symptome, Feuchtigkeit, oder giftige Dämpfe gehemmt, ziehen wir das auch über den Tag mit.

Verursacht wird das beispielsweise nicht zuletzt durch Kunstfaserdecken, die die Feuchtigkeit nicht optimal ableiten können (und dadurch ein Eldorado für Hausstaubmilben bilden), durch Plastik und Pressspanplatten im Bett, oder durch anderes künstliches Mobiliar. Glücklicherweise gibt es Decken mit Feder- bzw. Daunenfüllung und metallfreie Massivholzbetten, die ausschließlich aus Holz bestehen und nicht einmal durch Schrauben oder andere Metalle zusammengehalten werden. Schonender und gesünder geht es kaum.

„Für Allergiker geeignet“

Das liest man sehr oft auf Heimtextilien und nicht alle halten, was sie versprechen, oder nur sporadisch. Besonders für Hausstaubmilbenallergiker eignen sich Daunenbetten hervorragend, da sie die Eigenschaft besitzen feuchtigkeitsregulierend zu arbeiten. Sie machen im Prinzip das, was sie am Tier auch machen: Vor Feuchtigkeit schützen und Wärme speichern. In einem so trockenen Bettdeckenklima haben die Milben keine Chance.

Und Massivholzbetten atmen ebenso, wie die Daunenbetten. Durch ihre Poren kann Luft zirkulieren und Allergene setzen sich nicht so leicht fest. Außerdem verströmen etwa Zirbenholzbetten Duftstoffe, die beruhigend auf das Herz-Kreislaufsystem auswirken. Gepaart mit Lavendel im Schlafzimmer, können Sie die Schlaftabletten getrost in der Apotheke liegen lassen.

Positive Effekte auf Körper und Geist

Bäume und andere Pflanzen enthalten bioaktive Substanzen, die körpereigene Abwehrzellen stärken und so Krebs vorbeugen können. In weiteren Studien, etwa aus Japan, hat man mit Waldspaziergängen Depressionen und Ängste erfolgreich therapiert. Dieser Effekt zeigt zum einen, dass Körper und Geist unmittelbar miteinander verbunden sind und, dass sich die Natur positiv auf diesen Bereich auswirkt.

Besonders bei den typischen Zivilisationskrankheiten, wie Diabetes, Herz-Kreislauf- oder Schlafstörungen baut man gut und gerne auf Naturmittel – so auch im Wohnbereich.

Einwandfreie Qualität und Herkunft der Materialien ist selbstverständlich

Jene Menschen, die sich prinzipiell für natürliche Materialen interessieren, sind oftmals ohnehin sensibel für Qualität und Herkunft der Produkte. Wir lassen es uns dennoch nicht nehmen, zu unterstreichen, worauf man beim Kauf von Baumwollteppich und Merinodecke achten kann.

Zwei wesentliche Schlagworte sind hierbei entscheidend: Umwelt- und Tierschutz. Wenn wir schon die Natur für unsere Zwecke nutzen, können wir das auch mit Respekt tun. Chemische Düngemittel und unmenschliche Arbeitsbedingung bei der Baumwollproduktion und -verarbeitung, oder Lebendrupf bei der „Gewinnung“ von Daunen schießen leider meilenweit am Ziel vorbei.

Zum Glück gibt es Orientierungshilfen in Form von Gütesiegeln, die gewisse Mindeststandards verlangen. Traum- und Downpass, oder der Responsible Down Standard (RDS) kümmern sich um Gänse und Enten und Blauer Engel und FSC (Forest Stewardship Council) sind generellere Umweltzeichen. Wem dieses Thema wirklich am Herzen liegt, gräbt aber lieber etwas tiefer, denn manchen schwarzen Schafen sagt man zurecht nach, dass sie trotz Gütesiegel an ethischen Produktionsbedingungen vorbeigeschlüpft sind.

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© Schwäbische Post 26.04.2018 08:55
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