Renovieren, reparieren, modernisieren: Heimwerker-Branche im Umbruch

Die Umsatzentwicklung der Baumarktbranche war im vergangenen Jahrzehnt von Höhen und Tiefen geprägt. Seit 2014 steigt der Umsatz stetig. Laut Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten (BHB) betrug der Gesamtbruttoumsatz der Bau- und Heimwerkermärkte Deutschlands 2017 über 18,4 Milliarden Euro. Auch 2018 konnte die wirtschaftsstarke Branche den Wachstumskurs halten und den Umsatz ausbauen. Wenn auch nur um schlanke 1,6 Prozent. Trotz Wachstum besteht Handlungsbedarf, um die Do-it-yourself-Bewegung aufrechtzuerhalten und auch die nächste Generation vom Heimwerkern zu überzeugen. Digitale Services avancieren zum Muss.

Digitalisierung in der Heimwerker-Branche nimmt Fahrt auf

Die Zahl der deutschen Verbraucher, die online kaufen, steigt weiter. Auch immer mehr Senioren entdecken die Vorteile und sind dankbar, wenn sie ihre Einkäufe nicht mehr mühsam nach Hause tragen oder Angehörige um Hilfe bitten müssen. In der Baumarktbranche besteht hinsichtlich Digitalisierung Aufholbedarf. Nach Angaben des Handelsverbands Heimwerken, Bauen und Garten unter bhb.org konnte der DIY-Markt in Deutschland im vergangenen Jahr zwar erneut zulegen, doch berauschend fiel das Wachstum nicht aus. Insbesondere Internetriese Amazon kurbelt den Verdrängungswettbewerb an. Das Sortiment für Haushalt, Werkstatt und Garten ist enorm. Machtlos ist die Baumarktbranche jedoch nicht. Seit Jahren findet ein Wandel hin zum kanalübergreifenden Angebot statt, inklusive umfassender Internetauftritte. Heimwerker, die keine Zeit haben die nötigen Materialien und Werkzeuge im stationären Fachhandel zu besorgen, können inzwischen vieles online bestellen. Das Internetangebot kommt auch denjenigen zugute, in dessen Umgebung der favorisierte Baumarkt nicht zu finden ist. Ob Wandfarben, Zubehör zum Tapezieren oder Bodenbeläge: Vieles lässt sich bequem und zeitsparend von zuhause aus bestellen. Einer der Anbieter für Waren rund um Bauen, Wohnen und Modernisieren, der seinen digitalen Service um einen Onlineshop erweitert hat, ist Baumarkt-Handelskette Toom. Während Kunden gewünschte Produkte unter toom.de zuvor lediglich reservieren konnten, um sie später im nächstgelegenen Markt abzuholen, hat sich das Unternehmen als einer der führenden Größen der Branche dazu entschieden, auch Onlineshopping zu ermöglichen. Seither wird das versandfähige Sortiment kontinuierlich ausgebaut. Auf der Internetpräsenz können Interessenten in den Produktbeschreibungen wählen, ob sie Produkte bestellen oder reservieren und abholen möchten. Die Verfügbarkeit in lokalen Baumärkten lässt sich mit wenigen Klicks abfragen. Da inzwischen viele Händler ihre stationären und digitalen Serviceleistungen miteinander verknüpfen, profitieren Verbraucher von komfortablen Einkaufsmöglichkeiten. Zudem können sich ambitionierte Selbermacher über ergänzende Angebote wie Transportverleih oder Mietgeräte online informieren. Sowohl am heimischen Computer als auch unterwegs via Mobilgerät.

Mehrwert via Website und App

Neben der Möglichkeit des Shoppens versuchen Baumärkte potenzielle Kundschaft mit digital verfügbarem Mehrwert für DIY-Projekte zu begeistern. Ob Video-Bauanleitung für Mobiliar bei YouTube, Tipps zum urbanen Gartenbau oder Inspirationen für Veränderungen der Wohnzimmereinrichtung: Für scheinbar jedes Vorhaben und Interesse werden individuelle Informationen bereitgestellt. Selbstverständlich inklusive Verlinkung zu empfehlenswerten Produkten aus dem eigenen Sortiment, damit der motivierte Heimwerker direkt loslegen kann. Hinzu kommen praktische Applikationen, die das Selbermachen komfortabler und verständlicher machen sollen. Hier mischen nicht nur die großen Baumarkt-Handelsketten mit, sondern auch Hersteller von Farben und Baumaschinen sowie branchenfremde Entwickler, die sich Zugang zur umsatzstarken DIY-Welt verschaffen möchten.

Beispielhafte Apps für Heimwerker

Metylan
Diese App (siehe metylan.de) verspricht Hilfe beim Tapezieren. Nutzer erhalten Unterstützung bei Kleister- und Tapeten-Auswahl sowie bei der Planung via 3D-Raumplaner.

Roomsketcher
Diese Planungssoftware erlaubt das Abbilden von Räumlichkeiten, um sie beispielsweise mit Möbeln zu bestücken und das Interieur zu planen. Ideal für alle Nutzer, die regelmäßig Umgestalten oder sich den nächsten Umzug vereinfachen möchten. In der Videoanleitung (siehe unten) lässt sich der Funktionsumfang nachvollziehen.

Hilti
Der Werkzeughersteller präsentiert unter hilti.de gleich mehrere Apps parat. Darunter Hilti Connect zum Abrufen gerätespezifischer Daten. Auch Wartungen und Reparaturen lassen sich via App veranlassen. Die Dübelberater App beschleunigt wiederum die Suche nach dem optimalen Dübel.

Mitmachaktionen vor Ort

Da Digitalisierung nicht alles ist und sich viele Heimwerker gern aktiv weiterbilden, ergänzen Baumärkte ihre digitalen Services um stationäre Kurse in ihren Filialen. Das Spektrum reicht vom Farbenlehrgang über Grillseminare bis hin zum Gartengestaltungs-Event. Teilweise organisieren Baumärkte mehrstündige Heimwerkerkurse kostenlos beziehungsweise erstatten Kursgebühren in Form von Einkaufsgutscheinen. Jeder DIY-Liebhaber kann seinen Horizont erweitern, vorausgesetzt das regionale Angebot stimmt.

Titelbild „navhaxs“ (Quelle pixabay.com)

 

© Schwäbische Post 17.06.2019 17:12
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