So beeinflussen Geruchscode und kulturelle Prägung die Partnerwahl

  • Wer ist der oder die Richtige? Die Nase entscheidet mit! | Foto: Flickr Il bacio, Conan

Unbewusst wird die Duftsignatur der Abwehrgene wahrgenommen
Ein Sprichwort lautet: Gegensätze ziehen sich an. Und das gilt auch für den Geruch. Dass Duftstoffe eine wichtige Rolle bei der Partnerwahl spielen, ist bekannt. Dabei spielt allerdings nicht etwa Ähnlichkeit eine Rolle: Je unähnlicher der Geruchscode des Gegenüber dem eigenen ist, desto eher weckt das Interesse.

Bei der Wahl des Partners spielen viele Kriterien eine Rolle, nicht zuletzt die Optik. Schicke Kleidung wie feine Anzüge oder schöne Abendkleider, die dank unterschiedlicher Schnitte und Farben jedem Figurtyp schmeicheln, wirken auf viele Menschen anziehend. Auch der Lebensstil hat großen Einfluss auf die Attraktivität: Für viele ist entscheidend, ob jemand Raucher oder Nichtraucher ist, sich gesund ernährt, Sport treibt und interessanten Hobbys nachgeht. Doch kein Kriterium ist so einflussreich wie der Geruch - trotz oder gerade wegen der Tatsache, dass er seine Wirkung unterbewusst entfaltet.

Wirbeltiere erkennen am individuellen Geruchscode ihres Gegenübers, ob genetische Ähnlichkeit besteht. Je unähnlicher das Genom, desto vorteilhafter für den Nachwuchs, insbesondere hinsichtlich des Proteinkomplexes MHC. Über diesen erkennt das Immunsystem nämlich Krankheitserreger. Je mehr unterschiedliche Moleküle der Komplex enthält, desto mehr Erreger kann das Abwehrsystem erfolgreich bekämpfen. Wie ähnlich die MHC-Gene anderer den eigenen sind, erkennen Menschen am Geruch und wählen auf dieser Basis Partner mit anderen MHC-Komplexen, um möglichst widerstandsfähige Nachkommen zu zeugen.

Menschen riechen - ebenso wie viele Wirbeltiere auch - die typische Duftsignatur der Abwehrgene und nutzen diese zur Partnerentscheidung. Studien der Université Paris Diderot kommen anhand von Genomanalysen ganzer 883 Ehepaare aus Europa und Israel allerdings zu dem Schluss, dass es eine Frage des soziokulturellen Kontexts ist, wie stark der Duft der Gene die Partnerwahl beeinflusst. Europäische Paare zeigten nämlich starke Tendenzen zu unterschiedlichen Immungenen, insbesondere in Stichproben aus den Niederlanden. Die israelische Stichprobe zeigte dagegen keine MHC-abhängige Partnerpräferenz.

Wie sehr Partnersuchende ihrer Nase vertrauen, unterscheidet sich demnach von Land zu Land. In Deutschland und dem Rest vor allem Westeuropas sind Menschen heutzutage relativ frei, was den sozialen, ethnischen oder religiösen Hintergrund ihres potenziellen Partners betrifft. In Ländern wie Israel dagegen sieht die Situation ganz anders aus.

Teilen israelische Partner keine ähnlichen Hintergründe, treten schnell gesellschaftliche Probleme auf. So wie die Ethnizität und Religion dort aus soziokultureller Sicht noch eine Rolle für die Partnerwahl spielen, so sind auch Hochzeiten unter entfernten Verwandten verbreitet. Der soziokulturelle Zwang übertrumpfe an dieser Stelle den Duft der Gene, so die Studienleiter. Ob diese Beobachtungen tatsächlich Auswirkungen auf die Abwehrstärke von aus solchen Verbindungen hervorgebrachten Kindern haben, bleibt allerdings noch zu klären.

Bildrechte: Flickr Il bacioConan, CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

© Schwäbische Post 28.06.2019 14:18
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