Guten Morgen: Tobias Dambacher über unsere Rechtschreibung und eine Hure namens Duden

Wer hat nun recht/Recht?

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Tobias Dambacher

Als einst für Lehrer unbequemer Schüler habe ich diese Woche eine augenzwinkernde Diskussion mit Gerhard Sittner geführt (der die "Lizenz zum Röten" hat). Er kritisierte meine Schreibung der "Nicht-Geimpften" mit Bindestrich im SchwäPo-Newsletter mit Verweis auf den Duden und empfahl "Nichtgeimpfte" ("Duden, Band 1, Berlin 2020, Seite 816: vgl. Nichtgeschäftsfähige").

In erprobter Manier aus zahlreichen Verhandlungen um bessere Schulnoten widersprach ich mit Verweis auf Dudenregel 22, Paragraf 45, Absatz 2: "Man kann einen Bindestrich in unübersichtlichen Zusammensetzungen setzen" und Regel 21, Paragraf 45, Absatz 1: "Zur Hervorhebung einzelner Bestandteile von Zusammensetzungen und Ableitungen kann ein Bindestrich gesetzt werden", wie beispielsweise in "Soll-Stärke". Und Gerhard Sittner? Schickt mir einen Lesetipp: Als "Unsere große Hure Duden" hat das Hamburger Abendblatt einst das wichtigste deutsche Leitwerk der deutschen Rechtschreibung bezeichnet. Die Zeitung bezieht sich auf einen Artikel der "Zeit", die schrieb: "Wenn etwas nur lang genug unkorrekt gebraucht wird, ist unsere große Hure Duden zur Stelle und kassiert es als korrekt." Der große Aalener Christian Friedrich Daniel Schubart hatte schon recht - oder Recht? - (erlaubt ist laut Duden übrigens - Überraschung! - beides), als er über die menschliche Sprache in seinem Lehrbach schrieb: "(...) menschliche artikulirte Sprache, eine Sammlung von willkührlichen Zeichen (...)"

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