Lesermeinung

Basis stärker einbeziehen?

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Zur Berichterstattung über Laschets Kanzlerkandidatur:

Die Würfel sind gefallen, die K-Frage ist zugunsten von Armin Laschet entschieden, nachdem ihn eine satte Mehrheit des CDU-Bundesvorstands auf den Schild gehoben hat. Der bajuwarische Titan und populäre Volkstribun Markus Söder wird also nicht den Rubikon überschreiten und den langen Marsch nach Berlin antreten.

Während Laschet einflussreiche CDU-Granden auf seiner Seite wusste und auf eine starke nordrhein-westfälische Hausmacht zurückgreifen konnte, warf Söder seine überragenden Umfragewerte in die Waagschale und insistierte mit aller Vehemenz auf der evidenten Unterstützung durch eine breite Basis des Parteifußvolks.

Wird der eher lasch wirkende Laschet, sollte er im Weiter-so-Modus à la Merkel agieren, den nötigen Beistand vonseiten der kleineren Schwesterpartei bekommen? Wird er im Wahlkampf, wo erfahrungsgemäß mit harten Bandagen gefochten wird, lieber auf die Karte Integration, Harmonisierung und Fair Play setzen denn auf forsche Attacke und Polarisierung? Wird er die frisch gekürte, nach höchsten politischen Weihen strebende Kandidatin Annalena Baerbock aus dem Feld schlagen?

Das ganze Trauerspiel um die Kanzlerkandidatur, begleitet von einem knallharten verbalen Schlagabtausch, der zu einer Schlammschlacht auszuufern drohte, wirft die Frage auf, ob in unserer Verfassung nicht doch zu wenig plebiszitäre bzw. basisdemokratische Elemente verankert sind, im Klartext: Sollten bei so wichtigen Vorgängen, selbst auf die Gefahr hin, dass eine zu emotionale Komponente hereinspielt, das Volk oder wenigstens die Basis nicht stärker in den Entscheidungsprozess involviert sein?

Dr. Kurt-Helmut Scheidle

Aalen-Unterkochen

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