Lesermeinung

Benedikt wollte Hirte sein

Zum Artikel „Professor auf dem Petrusstuhl“, SchwäPo vom 2. Januar:

Im jüngst veröffentlichten geistlichen Testament von Papst emeritus Benedikt XVI ist der Glaube das zentrale Thema. Er schreibt: „Der hellsichtige Glaube meines Vaters hat uns Geschwister glauben gelehrt und hat als Wegweisung mitten in all meinen wissenschaftlichen Erkenntnissen standgehalten.“

Dann spricht er über die herzliche Frömmigkeit und der großen Güte seiner eigenen Mutter.

Benedikt XVI schreibt, er habe seit 60 Jahren die Wege der Theologie und Bibelwissenschaften begleitet und darin etliche unerschütterliche Thesen der „liberalen“, „existenzialistischen“ und „marxistischen“ Generation zusammenbrechen sehen. Die Vernunft des Glaubens sei danach wieder neu hervorgetreten.

Im Nachruf der SchwäPo vom 2. Januar war die Rede „von der wohl größten Krise der katholischen Kirche der Neuzeit“, die Benedikts Amtszeit geprägt habe. Lange vor seiner Wahl hat er bereits in den 50er Jahren als Theologe eine große Krise der katholischen Kirche vorausgesehen: Damals schrieb er von der „kleinen Kirche“, die viele Privilegien verlieren wird und bekämpft würde.

Benedikt XVI wollte vor allem Hirte sein, wozu der Dienst am Wort Gottes gehört. Deshalb hat er auch drei Bücher über Jesus geschrieben. Kennzeichen seines Pontifikats sollte die „Neuermutigung zum Glauben“ sein. In „Letzte Gespräche“ bekennt er, trotz Pädophilie-Skandal, „blödsinnigen Fall Williamson“ oder Vatileaks, hätten in seiner Amtszeit viele Menschen neu zum Glauben gefunden und es sei eine große positive Bewegung entstanden.

Dass er am 11. Februar 2013, dem Gedenktag unserer Lieben Frau von Lourdes zurücktrat, war ein bewusst gewähltes Glaubenszeugnis.

Pfarrer i. R. Hermann Knoblauch

Aalen-Grauleshof

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