Lesermeinung

Bildung wird vernachlässigt

Zum Thema Bildung:

Adventszeit – Zeit der Besinnung. Besinnen wir uns zum Thema Bildung in Baden-Württemberg und lassen die letzten sechs Monate Revue passieren. Die Stadt Gmünd erhöht die Kita-Gebühren und reduziert die Öffnungstage. Das Land finanziert keine Laptops mehr. Lehrerstellen werden nicht besetzt, Schulen sind zum Start unterversorgt. Unterrichtsausfälle sind an der Tagesordnung. Stundentafeln, Ganztagsangebote und außerunterrichtliche Aktivitäten werden reduziert. Krankenstand und Schwangerschaften sind nicht zu kompensieren. Weit unterdurchschnittliche Ergebnisse der Grundschüler bei den bundesweiten Testungen in Mathematik und Deutsch. Arbeitgeber schlagen Alarm wegen der hohen Abbrecherquoten bei Azubis, Universitäten bemängeln den Kenntnisstand der Abiturienten und sprechen ihnen die Studierfähigkeit ab.

Wir stehen vor einem Scherbenhaufen der Bildung, der sich seit vielen Jahren angedeutet hat. Seit dem ersten Pisa-Schock im Jahre 2000 zeigte sich die Kultusbürokratie unfähig, die Weichen für eine evidenzbasierte Schulentwicklung zu stellen, um endlich Qualität in das System zu bringen. Im Gegenteil. Es folgten unsägliche Strukturdebatten, gegenseitige Schuldzuweisungen und eine Reduzierung der Ressourcen. (...) Nun stellte der Ministerpräsident zusammen mit der Kultusministerin einen „neuen“ Plan vor, wie die Bildungsmisere in Baden-Württemberg behoben werden soll. Angeregt vom Erfolgsmodell Hamburg, das sich von den hinteren Rängen nach vorne katapultiert hat. Der Erfolg in der Hansestadt liegt im „Hamburger Schulfrieden“ von 2010 begründet, der mittlerweile bis 2025 verlängert wurde. Im Wesentlichen wurde darin von der Hamburger Bürgerschaft festgelegt: Zwei Säulen Modell (Gymnasium achtjährig und Stadtteilschule), zusätzliche Lehrerstellen, kleinere Klassenstärken, Förderung der neuen Lernkultur (evidenzbasierte Unterrichtsentwicklung), verstärkte Lehrerfortbildung, Einrichtung von weiteren Ganztagsschulen, Ressourcenzuweisung nach Sozialindizes. Kurz gesagt: keine Strukturdebatten, evidenzbasierte Schulentwicklung und massive Erhöhung der finanziellen Ressourcen. Aktuell gibt Baden-Württemberg pro Schuljahr knapp über 6000 Euro pro Schüler aus, in Hamburg sind es knapp unter 12 000 Euro. Erfolgsaussichten des Modells für Baden-Württemberg? Gering, weil der Ex-Lehrer und Ministerpräsident der Erhöhung der finanziellen Ressourcen eine Absage erteilt hat. (...) So viel zum Wert von Bildung in Baden-Württemberg. (...)

Klaus Dengler,

Schwäbisch Gmünd

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