Lesermeinung

Biozid schadet deutlich mehr

Zum Thema „Biozid gegen Eichenprozessionsspinner“, SchwäPo vom 22. April:

Ich bin gegen Katzenhaare allergisch. Trotzdem erwarte ich nicht von der Stadt, dass sie alle Katzen und Hunde um meinen Wohnsitz herum vergiftet. Ebenso wenig wird man eine Wiese umpflügen, nur weil dort ein paar Ambrosiapflanzen wachsen.

Sobald aber Raupen des Eichenprozessionsspinners entdeckt werden, bricht Panik aus: Per Hochdruckgebläse wird ein „auf

blattfressende Raupen“ wirkendes Biozid, das „für die übrige

Flora und Fauna ungefährlich ist“ über den Baum und die Umgebung verteilt. Pro Anwendung wird so neben dem Eichenprozessionsspinners auch tausenden Raupen anderer Schmetterlingsarten den Garaus macht. Dadurch verhungern Meisenküken in ihren Höhlen (die Fressfeinde des EPS!), und im Sommer fehlen die Falter als Bestäuber und als Nahrung für beispielsweise Fledermäuse. Das ist ein „minimaler Nachteil im Vergleich zur gesundheitlichen Gefährdung ...“. Die Niederlande sind hier Jahre weiter als wir, ein Biozideinsatz ist allenfalls bei schwerem Befall der Bäume erlaubt. Trotzdem sind sie noch nicht untergegangen. Informationen dazu gibt es auf den Seiten des (deutschen!)

Umweltbundesamtes. Hoffen wir, dass einer der Verantwortlichen für diese Aktion mal darüberstolpert. Bis dahin wird das Insektensterben weiter kräftig angeheizt.

Christopher Weth

Aalen

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