Lesermeinung

Corona und Kirchenöffnungen

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In allen Medien wird vorgeschrieben, wie wir uns zu verhalten haben. Sicherheitsabstand, Masken tragen, nur rausgehen, wenn notwendig, so gut wie keine Kontakte zu haben.

In allen Medien wird vorgeschrieben, wie wir uns zu verhalten haben. Sicherheitsabstand, Masken tragen, nur rausgehen, wenn notwendig, so gut wie keine Kontakte zu haben. Seit Wochen sind öffentliche Einrichtungen geschlossen. Jeder von uns muss sein soziales Leben zurückschrauben. Das alles machen wir für uns, unsere Mitmenschen und für Menschen, die zur Risikogruppe gehören, Vorerkrankte und alte Menschen. In einer Gesellschaft sollte das selbstverständlich sein, jeder versucht, jedem zu helfen. Vor ein paar Tagen kam die Nachricht "Gottesdienste dürfen wieder stattfinden", zwar unter strengen Hygienemaßnahmen und mit weniger Menschen als normal, jedoch habe ich mir trotzdem Fragen aufgrund dieser Meldung gestellt. Ein Großteil der Menschen, die einen Gottesdienst besuchen, sind laut Statistik Ruheständler, somit alte Leute, welche besonders gefährdet sind. Sie dürfen wieder an einem öffentlichen Ort zusammenkommen, um zu beten, miteinander zu sprechen, also genau das zu tun, was man eigentlich vermeiden soll.

Natürlich respektiere ich den Glauben und kann verstehen, dass man in einer Zeit wie dieser Halt sucht. Jedoch kann ich nicht verstehen, warum man Gottesdienste wieder veranstaltet, jedoch keine Kinos, Theater oder andere öffentliche Einrichtungen öffnen. Diese Einrichtungen haben, anders als die Kirche, mit ihrer Existenz zu kämpfen und laufen Gefahr, bankrott zu gehen. Mit ein paar Regeln könnte man auch ein Kino wieder relativ normal betreiben. Die Kirchen sind finanziell nicht auf Gottesdienste angewiesen. Jeder von uns muss in dieser Zeit Entbehrungen eingehen. Ich bin 17 Jahre alt. Ich darf nicht in die Schule gehen, würde mich sehr gerne mit Freunden treffen, ins Kino gehen oder etwas trinken. Ich habe kein Verständnis dafür, wenn es anderen Menschen, auch Risikogruppen, gestattet ist, ihrem Hobby bzw. Glauben öffentlich nachzukommen, während andere nicht die Möglichkeit haben, dies zu tun. Es muss doch möglich sein, auch an uns jungen Menschen und unsere Bedürfnisse zu denken.

Aalen

Romy Hirsch

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