Der richtige Weg

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Zum SchwäPo-Artikel "Bis Ende März bleibt der Impfstoff knapp" vom 2. Februar: Deutschland und die EU liegen im internationalen Covid-19-Impfvergleich weit hinten.

Zum SchwäPo-Artikel "Bis Ende März bleibt der Impfstoff knapp" vom 2. Februar:

Deutschland und die EU liegen im internationalen Covid-19-Impfvergleich weit hinten. Viele sehen die Schuld bei der EU-Kommission und es werden die EU-Vorurteile bedient. Eine nüchterne Analyse zeigt aber, dass die EU den nachhaltigeren und zivilisatorischen Ansatz bei der Impfstoffbeschaffung gewählt hat. Klar ist, die EU musste sich erst koordinieren, das hat Zeit gekostet. Allerdings liegen die Impfstofflieferprobleme (...) nicht am unzureichenden Verhandlungsgeschick der EU, sondern am zum Teil vertragswidrigen Verhalten des Herstellers. Man möge den Vertrag aufmerksam lesen. Das ein EU-Beschaffungspool die Vertragsmacht der EU stärken würde, um an mehr Impfstoff zu kommen, ist unter den Umständen eines, zumindest anfänglichen Impfstoffmangels fraglich. Bei einem Mangel hat eine Ländergruppe mit seinem, im Vergleich zu einem einzelnen Land, größeren Impfstoffmengenbedürfnis einen strukturellen Nachteil, dieses für alle zu befriedigen. Das ist aber der Preis für die Solidarität der Länder untereinander, wo stärkere Länder für schwächere Länder Verzicht üben. Eine Gemeinschaft, in der diese Solidarität nicht praktiziert werden würde, wäre keine EU (...).

Ein Staat, der diese Solidarität nicht leisten will, hat in der EU nichts zu suchen. Im Umkehrschluss heißt das nicht, dass ein solidarischer Mitgliedsstaat Leben und Gesundheit seiner Mitbürger aufs Spiel zu setzen hätte. Er muss dann alle anderen Maßnahmen ausschöpfen, die dies verhindern. Dass die EU, wie einige andere, keinen Impfstoffnationalismus betreibt, weder im Inneren noch nach außen, wird nur ihrem Anspruch gerecht, aufgrund dessen sie 2012 mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde. In einer Pandemie mag eine nationalistische Impfstoffbeschaffungspolitik nach dem Motto "first come, first serve" kurzfristig Vorteile sichern, ist aber ein zivilisatorischer Rückschritt, mit langfristig sehr negativem, globalem Nachhall. Ich bin froh, nicht von einem "Boris Trump" regiert zu werden.

Dr. Joachim Ehrenberg, Aalen

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