Lesermeinung

Deutschland einig Vaterland?

Zum Zusammenhalt in Politik und Gesellschaft:

„Deutschland einig Vaterland“, skandierten die Menschen während der Leipziger Montagsdemonstrationen im November 1989. Lässt man das zu Ende gehende Jahr Revue passieren, so klingt diese Parole heuer wie blanker Hohn. Wohin man auch schaut, von Einigkeit keine Spur! Der Riss, der sich seit längerem mitten durch unser Land zieht, wird immer tiefer und treibt die Polarisierung in Politik und Gesellschaft weiter voran.

Anstatt nach der Devise „ex unitate vires“ (= Einigkeit setzt Kräfte frei) zu handeln, werfen sich die Parteien der Ampel gegenseitig Knüppel zwischen die Beine, indem der eine Koalitionspartner Initiativen des anderen Partners blockiert und Lösungsansätze torpediert, nur weil man rigide an festgefahrenen orthodoxen und fundamentalistischen Positionen festhält und nicht bereit ist, sich von doktrinär-ideologischem Ballast zu befreien. Und Friedrich Merz gefällt sich in seiner destruktiven Oppositionsrolle und fährt aus Gründen süffisant-narzisstischer Profilierung einen harten Konfrontationskurs. Dabei fordern die immensen Probleme und Herausforderungen (...)  die Bündelung aller politischen und gesellschaftlichen Kräfte (...). Ein bloßes von peinlichen Pannen und Pleiten begleitetes unproduktives Herumkurieren an Symptomen ist Wasser auf die Mühlen rechtsextremistischer, sich aus subversiven Elementen rekrutierender Randgruppen wie die militanten, die staatlichen Institutionen unterwandernden und infiltrierenden Reichsbürger, die zum Sturm auf die Bastille namens Demokratie blasen und die unschöne Erinnerung an Weimarer Verhältnisse wachrufen.

Dr. Kurt-Helmut Scheidle

Aalen-Unterkochen

Zurück zur Übersicht: Leserbriefe

Kommentare