Lesermeinung

Die CDU wird an Profil verlieren

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Zur Fortsetzung der grün-schwarzen Koalition:

All diejenigen, die eine Ampelkoalition in Baden-Württemberg erwartet hatten, von der mit Blick auf die kommenden Bundestagswahlen eine Signalwirkung hätte ausgehen können, wurden Lügen gestraft. Einen landespolitischen Paradigmenwechsel, der auf Bundesebene als Blaupause hätte dienen können, wird es mithin nicht geben.

Winfried Kretschmann will trotz heftigen Rumorens an der Basis für fünf weitere Jahre mit seinem schwarzen Juniorpartner die Geschicke unseres Landes lenken, nachdem er während der Sondierungsgespräche seinen bisherigen Vize Strobl in Sachen Klimaschutz weichgekocht hat.

Realo Kretschmann, in seinem Wesenskern schon immer ein pragmatisch ausgerichteter Konservativer, wollte sich auf keine Experimente geschweige ein politisches Vabanque-Spiel einlassen. Vielleicht hätte er die Reminiszenz an den legendären württembergischen Grafen Eberhard im Bart wachrufen sollen, der den Wahlspruch „attempto“, zu deutsch „Ich wag' s“, zur Devise seines Handelns machte.

Für den Verlierer Strobl und seine Landes-CDU ist die Fortsetzung der grün-roten Allianz alles andere als eine Win-Win-Situation. Über kurz oder lang wird sich herausstellen, ob es sich beim Juniorpartner um einen unsicheren Kantonisten handelt, und ob die im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Vereinbarungen sich nicht doch als taktischem Machterhaltungskalkül entspringenden Lippenbekenntnisse erweisen, insbesondere dann, wenn es im zähen politischen Tagesgeschäft ans Eingemachte geht.

Der Landes-CDU dürfte es nicht anders ergehen wie der Landes-SPD zu Zeiten von Grün-Rot. Sie wird weiter an Profil verlieren, während ihr in der Oppositionsrolle eine stärkere öffentliche Wahrnehmung zuteil geworden wäre.

Dr. Kurt-Helmut Scheidle

Aalen-Unterkochen

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