Lesermeinung

Die Differenzen wurzeln tiefer

zu: „Jubilar mit Sorgen“ vom 25. April

Der durch manipulative Tricksereien aus der Taufe gehobene Südweststaat Baden-Württemberg feiert heuer sein 70-jähriges Jubiläum, das schon im Vorfeld von Misstönen und Störgeräuschen, vor allem aus der badischen Ecke, überschattet war. Die einst von dem südbadischen Separatistenführer und Heimatfetischist Leo Wohleb geschürten schwabophoben Ressentiments schienen wieder kurz aufzuflackern und das Baden-Gen zu revitalisieren. Dass der Südwesten sich nie zu einem zentralistischen Staatsgebilde wie etwa Bayern entwickelte, hat historische Gründe, die weit in die Vergangenheit der suebischen,

alemannischen und fränkischen Landnahme während der Völkerwanderung zurückreichen. Hier liegen die Anfänge des für den südwestdeutschen Geschichtsraum so typischen kleinstaatlichen Partikularismus. (...) Als ein weiterer retardierender Faktor erwiesen sich seit der Reformation die konfessionellen Unterschiede zwischen dem südbadisch-vorderösterreichischen Katholizismus, dem altwürttembergischen Protestantismus mit seinen pietistischen Ablegern und die calvinistisch infiltrierte Kurpfalz. All dies hat nicht unwesentlich zur Konfiguration eines spezifischen Volkscharakters und einer kollektiven Mentalität in den verschiedenen Landesteilen beigetragen. (...) Jedenfalls greift es viel zu kurz, die schwere hybride Geburt von the Länd nur an den durch die polarisierende Volksabstimmungsfrage hervorgerufenen Querelen und

Dissonanzen festzumachen.

Dr. Kurt-Helmut Scheidle

Aalen-Unterkochen.

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