Lesermeinung

Die Pläne sind grob fahrlässig

Zur Klinik-Debatte:

Nun ist die Katze aus dem Sack. Es wird (oder soll) ein Zentralklinikum geben. Die anderen Standorte (und Bopfingen) werden zu je einem Gesundheitscampus „inhaltlich weiterentwickelt“. Landrat Dr. Bläse hat damit die Büchse der Pandora geöffnet und eine gewaltige Unruhe hervorgerufen. Er ist den Sirenengesängen sogenannter „Gesundheitsweiser“ (z. B. Prof. Augurzki) auf den Leim gegangen, die das Hohe Lied der sogenannten Effizienz und Ökonomie singen. Dabei kommt die Medizin (ärztlich und Pflege) unter die Räder. Die OBs der betroffenen Städte haben sich schon mal in Stellung gebracht, das Wort „asozial“ machte hier die Runde, der Parteifreund OB von Gmünd und die Bürgermeisterin von Mutlangen wollen dem Haushalt nicht zustimmen, die Kliniklandschaft ist in Aufruhr …

Es wird auch mit falschen Argumenten geworben. Zum Beispiel wird die Mindestmengenverordnung ins Feld geführt. Niemand hat die Absicht, Stammzellentransplantationen, Organtransplantationen, Herzoperationen, schwierigste OPs an der Speiseröhre und an der Lunge durchzuführen. Bei den anderen Mindestmengen liegen die Kliniken gut und haben Kompetenz. Der Personalmangel, der auch immer ins Feld geführt, trifft praktisch alle Kliniken im Land einschließlich der Unikliniken und wird sich über die Jahre hinweg nicht beheben lassen. Mit einem Zentralklinikum ist es noch eine ganze Weile hin und Dr. Bläse wird es dann eines Tages, wenn überhaupt, nicht mehr einweihen. Die Umwidmung der jetzigen Kliniken zu Gesundheitscampi ist eine Degradierung. Sie werden eine Resterampe werden oder ein Gesundheitskiosk (Ausdruck kommt unter anderen von Prof. Lauterbach) mit angehängter Geburtshilfe! Auf so eine Idee zu kommen zeugt von … (der geneigte Leser möchte sich selbst seinen Reim machen) …

Im Ostalbkreis werden deutlich mehr als 2000 Geburten pro Jahr durchgeführt. Diese können keinesfalls an einem „Campus“ verortet werden. Dies ist fahrlässig! Und wo bleibt die Kinderklinik, die zwingend bei der Geburtshilfe sein muss! Was wird denn aus der Urologie in Ellwangen, wenn der jetzige Chef in Rente geht? Bei dieser unsicheren Lage wird sich niemand auf diese Stelle bewerben. Auch die anderen Chefs in anderen Abteilungen in den Kliniken werden keine qualifizierten Nachfolger bekommen, solange nicht die Zukunft der Kliniken geklärt ist. Prof. Lauterbach hatte vor kurzem einen ausnahmsweise sehr hellsichtigen Moment, als er sagte, mit der Ökonomie in der Medizin sei es übertrieben worden. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Dr. Guido Hegele,

Heuchlingen

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