Lesermeinung

Eine teure Haltung

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Zu den Bauplänen am Schönblick und zur Klimapolitik Traue ich meinen Augen nicht? Zweifle ich nur an der Logik der Stadtverwaltung und des Gemeinderates?

Zu den Bauplänen am Schönblick und zur Klimapolitik

Traue ich meinen Augen nicht? Zweifle ich nur an der Logik der Stadtverwaltung und des Gemeinderates? Oder werde ich schlicht und einfach verarscht? Da genehmigt der Gemeinderat unter Führung des Oberbürgermeisters eine Aufforstungsaktion. 10 Jahre lang sollen jedes Jahr 10 000 Bäume gepflanzt werden. Die Bürger sollen das durch Spenden finanzieren. Eine sehr vernünftige Aktion in Zeiten des Klimawandels.

Gleichzeitig läuft derzeit ein Verfahren für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, bei dem eine Waldumwandlung notwendig ist. Waldumwandlung heißt in diesem Fall die Bäume auf einem 750 000-Quadratmeter Grundstück werden umgesägt, um darauf ein Altenpflegeheim zu bauen. Rund 200 große Bäume und eine große Fläche mit ca. 20-jährigem Jungwald fallen der Säge zum Opfer. Auf der einen Seite soll aufgeforstet werden. Und auf der anderen Seite opfert man gnadenlos, was man schon hat. Dieser Eingriff in die Natur soll aufgewogen werden durch neue Pflanzen. Die müssen erst mal groß werden. Wahrscheinlich kommen sie ohne Bewässerung in den heißen Sommern gar nicht hoch.

Was ist das für eine Haltung? Eine teure Haltung! Und alles nur, weil die Stadt darauf verzichtet, den Bau des Pflegeheimes auf einer freien Fläche zu verlangen, zum Beispiel auf dem Parkplatz des Schönblicks. Wie fragte im vorletzten Bauausschuss ein Stadtrat: Sind Bäume wichtiger als Menschen? Die korrekte Antwort müsste lauten: Autos sind wichtiger als Menschen und wichtiger als Bäume. Ach ja, und ein Klimaausschuss im Stadtrat wäre in diesem Zusammenhang ja auch total überflüssig. Was hätte der schon zu bereden?

Jo Frühwirth

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