Lesermeinung

Fehlende Radwege zur Schule

Elterntaxis und Stadtplanung

Pünktlich mit dem neuen Schuljahr sind die Elterntaxis zurück. Drängeln sich vor Schulen, Kindergärten, Turnhallen. Schüler können sich schlecht konzentrieren, weil die einzigen Schritte vom Bett ins Auto und vom Auto in den Klassenraum sind. Es fehlt ihnen an Bewegung und frischer Luft. Nicht selten versuchen sie dann, ihr müdes Gehirn mit Zucker und/oder Weißmehl in Schwung zu bringen.

Angesichts von Klimawandel und Energiekrise haben die Elterntaxis aber auch eine gesellschaftliche Dimension. Sollen die Schüler doch endlich wieder zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren, früher ging das doch auch, wird dann schnell gesagt.

Auch viele Eltern wären erleichtert, von der zeitintensiven Fahrerei befreit zu sein. Nur ist das oft gar nicht so einfach. Selbst ohne die Elterntaxis hat der Autoverkehr zugenommen. Hinzu kommt teilweise massiver Parksuchverkehr, um Parkgebühren zu sparen, wie beispielsweise in der Südstadt. Und dann genehmigt die Stadt dort auch noch direkt an der geplanten Fahrradstraße eine Bebauung fast bis zur Grundstücksgrenze mit an die 40 Mikroappartements. Während der gesamten Bauphase droht damit eine massive Verengung der geplanten Fahrradstraße. Das macht die Verkehrssituation dort zwangsläufig unübersichtlich. Später wird sich zusätzlicher Autoverkehr aus der geplanten Tiefgarage in die Zufahrt zur Fahrradstraße ergießen. Unter solchen Umständen muss sich niemand wundern, wenn Eltern ihre Kinder nicht einmal ins nahe Schulzentrum radeln lassen. Auch in anderen Ortsteilen haben sichere Fahrrad-Schulwege leider Seltenheitswert.

Wer die Elterntaxis von der Straße kriegen will, muss bei der Stadtplanung anfangen. Unsere Kinder hätten es verdient, dass man auch bei Baugenehmigungen an sie denkt.

Veronika Totzeck

Schwäbisch Gmünd

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