Fußgänger werden in Schwäbisch Gmünd weiter benachteiligt

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Gehweg

Zum Artikel „Sägbock: „Jetzt sind die Fußgänger dran“, erschienen in der Gmünder Tagespost am 27. August:

Ergänzend zu dem Presseartikel gehen wir noch einmal auf die zementierten Missstände und die Missachtung des Bürgers „Fußgänger“ in der Verkehrspolitik der letzten 50 Jahre ein. In dieser Zeit war der Sägbock ein sicherer Überweg der viel befahrenen B 29. Hälftig abgerissen, weil er marode war, führt dieser viel genutzte Weg nur noch über die Schienen. Wann eine Treppe an diesen Torso angefügt werden soll, steht noch in den Sternen. Eine Renovierung sei viel zu teuer. Ob eine Ampellösung, die hier angedacht war, die Stau verursacht, teuer in der Anschaffung ist, Wartung und Strom kostet, die bessere Lösung ist, darf bezweifelt werden. Es geht auch nicht um die 150 Meter, die bis zum nächsten Zebrastreifen am Pfitzer-Kreisverkehr zurückgelegt werden müssen. Für Fußgänger durchaus zumutbar, entgegen den Unterstellungen in den sozialen Medien. Es geht um die gefährliche Situation, wenn Fußgänger, die dann in ferner Zukunft vom halbierten Sägbock runterkommen, „schnell mal“ die dreispurige B 29 in Höhe Bürgerstraße kreuzen, weil „es pressiert“.

An der Klösterlestraße überqueren täglich viele Passanten die Fahrbahn an der Kapuzinergasse, obwohl eine Fußgängerampel wenige Meter entfernt ist. Es wäre eine einfache, kostengünstige Maßnahme den Gehsteig auf der Remsseite bis zu der Mittelinsel zu verlängern und dort eine Überquerungshilfe zu machen. Der Fußgänger, der zwar keine Arbeitsplätze schafft, aber der umweltschonendste Verkehrsteilnehmer ist, kein CO2 in die Luft bläst, zusätzlich durch Bewegung Herz und Kreislauf und Gelenke stärkt und dadurch Krankenkosten einspart, der wird immer mehr verdrängt. Das hat angefangen mit Gehwegen, die immer schmaler wurden, auch dadurch, dass Autos die Hälfte als Parkplatz beanspruchen, erlaubt und unerlaubt, dann zusätzlich Fahrradspuren eingezeichnet wurden. Dadurch ist oftmals gegenläufiger Fußverkehr nicht mehr gewährleistet und man muss auf die Fahrbahn ausweichen. Die reinen Gehwege, die allein den Fußgängern noch zur Verfügung stehen, sind oftmals in einem katastrophalen Zustand. Die wenigen Gässchen in Gmünd, die dem Fußgänger ohne Autoverkehr noch geblieben sind, werden nun von Radfahrern, die rücksichtlos zwischen Passanten durchfahren, beansprucht und auch als Parkplatz missbraucht.

Wir finden jetzt reicht's. Jetzt machen viele Radfahrer genau das was sie zuvor schon als Autofahrer eingefordert haben. Rücksichtslos fahren und parken.

Wieso können wir nicht alle als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer respektvoll miteinander umgehen? Das geht schon sehr häufig in sogenannten „shared space“-Zonen. Viele Städte in Europa praktizieren dies bereits. Paris hat flächendeckend auf Tempo 30 reduziert. Radfahrer können dann auf der Straße fahren. Es gibt keine Probleme bei Begegnungsverkehr auf den Gehsteigen, zum Beispiel Lastenfahrrad und Fußgänger. Paris wird auch 70 000 Parkplätze abschaffen, mehr Fußgängerbereiche einrichten und mehr Fahrradwege.

Wir hoffen, dass Stadträte und Verwaltung sich durch die Bereitschaft von immer mehr Städten, auch im Autofahrerland Deutschland, Tempo 30 und autofreie Innenstädte auszurufen, anregen lassen, auch diesbezüglich sich mehr Gedanken in Richtung lebenswerte Innenstadt zu machen.

Für den Arbeitskreis

Agenda Stadtgestaltung

Susanne Lutz und Heidi

Preibisch, Schwäbisch Gmünd

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