Lesermeinung

Kirchenlied und Filmmusik

Zu dem Bericht über das Benefizkonzert des Heeres-Musik-Korps Ulm, SchwäPo vom 17. März:

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Es wurde eine exzellente Blasmusik von Berufsmusikern geboten. Und lobenswert: Der Erlös des „mitreißend agierenden“ Orchesters geht an die Ukraine und die Freiheit. Bravo, bravo!

Kritische Betrachtungen erlaube ich mir trotzdem. Nach der Selbstdarstellung des Orchesters versteht sich dieses als ein symphonisches Blasorchester in der Umrahmung militärischer Veranstaltungen. Eine Spezialität ist Pflege der traditionellen Marschmusik. So die Selbstdarstellung. Tatsächlich wurden reine Filmmusik-Kompositionen dargeboten. Alle Melodien waren längst bekannt. Man kann das Konzert als reine „militärische Unterhaltungsmusik“ bezeichnen. Herausragendes Beispiel im negativen Sinne waren die Variationen über das protestantische Kirchenlied „Ein feste Burg ist unser Gott“. Ein Lied, das als protestantisches Kampflied der Reformation verstanden werden kann. Was dieses Lied in einem Konzert der Bundeswehr verloren hat, wird ewig ein Geheimnis bleiben. Übrigens: Text und Melodie: Martin Luther im Jahre 1529. Nein, keine Blasphemie, aber immerhin von großer Geschmacklosigkeit durchdrungen.

Die Besucher in der fast gefüllten Rundsporthalle waren begeistert. Denn die Musiker gaben ihr Bestes. Absolut herausragend war das Dirigat von Hauptmann Dominik Koch. Dessen Dirigat ich ohne zu zögern als gymnastische Zuckungen bezeichnen darf.

Trotz der Schirmherrschaft von drei CDU-Granden (Oberbürgermeister, Landtagsabgeordneter, Bundestagsabgeordneter) wage ich zu bemerken, dass in Form und Inhalt Verbesserungen bei derartigen Musikveranstaltungen nicht verboten wären. Durch den einsetzenden Platzregen fühle ich mich bestätigt.

Hans Rieger

Ellwangen

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