Kreis hat den Gong nicht gehört

Zur Klinikdiskussion:

In vielen Bereichen wird heute von Zentralisierungen Abstand genommen, man entdeckt die Schwächen von globalen Abhängigkeiten und die Vorteile von Regionalisierung und Quartiersarbeit. Der Ostalbkreis hingegen hat offensichtlich diesen Gong nicht gehört und steuert auf ein Zentralklinikum zu. Größe wird vom Landrat und seinem kleinen Expertenteam als Garantie für Qualität und Personalakquise ausgegeben. Teilfunktionale Ambulanzen werden beschönigend als „Gesundheitscampus“ etikettiert. Im Kreistag fiel schon ein erster Beschluss „nicht weiter so“. Dieser Beschluss müsste nun aber heißen: Selbstkritische Befragung, warum der einstige Plan von Klinikspezialisierungen nicht umgesetzt wurde, und Kontrollmechanismen versagten, ferner Überlegungen, wie echte Bürgerbeteiligung stattfinden kann und nicht nur ein Informieren im Nachhinein. Ein Klinikum ist ein infrastrukturelles Thema, das basisdemokratischer Vorgänge bedarf. Ernstgemeinte Bürgerbeteiligung braucht aber Methode: ein großes Expertengremium aus Haus-, Fach- und Klinikärzt*innen, Pflegenden und weiteren medizinischen Diensten, deren Vorbereitung eines Fragen- und Antwortkatalogs als Vorlage für die Diskussion unter Bürger*innen. Man könnte hierfür Vereine mit über 100 Mitgliedern einbeziehen. Es gibt viele konkrete Fragen, die die Menschen haben, beispielsweise, ob ein Großklinikum nicht noch anfälliger ist für resistente Keime, ob Schwäbisch Gmünd eine weitere Verarmung droht, wenn am Schluss das Klinikum in Aalen landet und konkrete Fragen zu Kosten aller Varianten. Zahlreiche neue Entwicklungen wie die Reformpläne Lauterbachs und die Energiekrise sind zu beachten, deshalb braucht es kritische Kreisrät*innen, die den Mut haben, ein Moratorium einzulegen, statt einer Brechstange des Landrats zuzustimmen.

Dr. Iris Mandl-Schmidt,

Schwäbisch Gmünd

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