Lesermeinung

Leer- statt Querdenker?

Zu „Regeln nicht verspotten!“ und dem Artikel über den Spaziergang vom 11. Januar

Was mir zu den derzeitigen Montags-„Spaziergängen“ einfällt:

Erstens: Das Wort „Freiheit“ bekommt nur einen Sinn, wenn es mit seinem Geschwisterbegriff „Verantwortung“ gebraucht wird.

Zweitens: Wie lächerlich ist es doch, die am Impfen festgemachte Staatskritik mit Geschehnissen im Dritten Reich oder in der DDR zu vergleichen und von Diktatur herum zu grölen. Keiner der Demonstranten muss damit rechnen, dass am nächsten Tag oder noch in derselben Nacht die Gestapo oder die Stasi an seine Tür pocht und ihn oder sie nach Dachau oder Bautzen abholt.

Drittens: In jedem Bereich des geistigen Lebens gab es immer schon  „Querdenker“. Das waren kritische, oft kauzige Einzelgänger, die aber manchmal aufgrund ihrer ungewöhnlichen Art zu denken, auf neue produktive Gedanken kamen und deshalb keine inhaltslosen Schaumschläger waren. Ich mache deshalb den Vorschlag, den Montags-„Querdenkern“ einen anderen Namen zu verpassen, nämlich „Leerdenker“.

Viertens: Es ist schon lange her, aber da sagte ein Bürgermeister einer kleinen Gemeinde des Ostalbkreises morgens um halb sechs in einem Interview in Radio 7 auf gut Schwäbisch: Zehn Prozent aller Menschen sind „Seckel“, und mit diesen zehn Prozent muss die Menschheit „läben“.

Wolfgang Schnee

Aalen

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