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Leserbrief: Zum holprigen Schulstart nach den Ferien

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"Wir können alles… Außer Digitalisierung und Bildung" muss es nach dem Schulstart nach den Weihnachtsferien jetzt wohl heißen. Am Montag leuchtete Baden-Württemberg auf der deutschlandweiten Störungskarte der digitalen Bildungsplattform für Fernlernunterricht knallrot.

"Wir können alles… Außer Digitalisierung und Bildung" muss es nach dem Schulstart nach den Weihnachtsferien jetzt wohl heißen. Am Montag leuchtete Baden-Württemberg auf der deutschlandweiten Störungskarte der digitalen Bildungsplattform für Fernlernunterricht knallrot. Große Teile der Schülerschaft und zahlreiche Lehrkräfte konnten die Plattform nicht oder nur sehr instabil nutzen. Dem Kultusministerium war doch klar, welche Anforderungen zum Schulstart auf die digitale Infrastruktur zukommen würden. Bereits im letzten Frühjahr gab es Probleme. Im März meinte Kultusministerin Eisenmann noch, man sei auch perspektivisch für weiter steigende Zugriffe gewappnet. Anscheinend hat hier jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht und ist nun im Praxistest wieder einmal durchgefallen.

Dass es in Baden-Württemberg, dem Land der Tüftler und Bastler, besser gehen muss, ist allen Beteiligten klar. Sicherlich, das von ihrem Parteifreund Thomas Strobl geführte und für den digitalen Ausbau zuständige Innenministerium hat ebenfalls seinen Beitrag zum Montagschaos geleistet – ein wahrer digitaler Schwabenstreich.

Neben den technischen Problemen kämpft Frau Eisenmann allem Anschein nach auch mit einer Konzept- und Ideenlosigkeit. Die Schulen und vor allem die Schulleitungen sollen nun wieder einmal individuell Konzepte erstellen, wie bei steigenden Infektionszahlen und eines verschärften Lockdowns ab dem 18. Januar der Präsenzunterricht für Abschlussklassen ermöglicht werden soll. Wird es Wechselunterricht für die Klassen geben? Sind die Voraussetzungen für einen Schülertransport mit Einhaltung der Abstandsregeln geschaffen? Wird es einen angemessenen Schutz für die Schülerschaft und die Beschäftigten mit tatsächlich zertifizierten FFP2-Masken geben? Gibt es so etwas wie eine Teststrategie für die Schulen, wie es Österreich vormacht?

Viele offene Fragen, kaum Antworten und bisher wenig Fürsorge aus dem Kultusministerium für die Beteiligten vor Ort. Leider hat sich auch im neuen Jahr nichts geändert. Bei den guten Vorsätzen für 2021 hat sich Frau Eisenman die Bildungspolitik definitiv nicht als Schwerpunkt gesetzt. Dieses Ministerium scheint nur eine lästige Durchgangsstation für sie zu sein. Sie strebt nach Höherem und konzentriert sich als Spitzenkandidatin ihrer Partei auf den laufenden Wahlkampf.

Michael Deusch, Schwäbisch Gmünd

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