Nachdenken vor dem Querdenken

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Zur Querdenker-Demonstration am 25. März in Waldstetten: Waldstetten. Malzeviller Platz. Mittwochabend. Punkt 18:30 Uhr läuten die Glocken der katholischen Kirche wie schon seit jeher zum abendlichen Gebet.

Zur Querdenker-Demonstration am 25. März in Waldstetten:

Waldstetten. Malzeviller Platz. Mittwochabend. Punkt 18:30 Uhr läuten die Glocken der katholischen Kirche wie schon seit jeher zum abendlichen Gebet. Gleichzeitig beginnt in unmittelbarer Nähe die zuvor kurzfristig angemeldete Demonstration einer Gruppe, die mit der Bezeichnung "Querdenken 7171" hundertmal zuvor am Gmünder Marktplatz ihre Meinung lautstark artikulierte. Nun scheint es in der Stauferstadt langweilig geworden zu sein und so zog man raus ins beschauliche Waldstettische Dorf. Die Gemeindeverwaltung wurde von der Genehmigungsbehörde des Landratsamtes über die Veranstaltung in Kenntnis gesetzt, was zur Bildung einer kleinen genehmigten Gegendemogruppe führte, die der fehlenden Zeit geschuldet, ihre Aussagen flugs auf bunten Fotokartons abfassten und sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite "oppositionierten". Am Rande Polizei, Ordnungsamt, neutrale Beobachter und der Bürgermeister. Die circa 100 solidarisierten Querdenker starteten mit Lautsprechermusik und tänzelnden Frauen und Männer, parallel zum Kirchengeläut. Eine seltsame Atmosphäre. Danach stand allen frei, ans Mikrofon zu treten und seine Meinung kundzutun, wovon reger Gebrauch gemacht wurde. So erschallte ins zunehmend sich verdunkelnde Dorf ein düsteres Meinungsbild, das durch teilweise verwegene Argumente und Aussagen belegt wurde. Hörte man genau hin, zeigte sich zwischen den Worten eine grundsätzliche Unzufriedenheit und Verzweiflung. Frustiert über persönliche Schicksale, über das soziale Ungleichgewicht und politisch-wirtschaftliche Standards mit Ablehnung des bestehenden Wertesystems. Die Hilfeschreie finden nun ein Ventil durch das omnipräsente Coronathema mit einer inszenierten Gegendarstellung, die inhaltlich meist heftige Bauchlandungen darstellen. Nachhaltig bleiben jedoch auch persönliche durchs Mikro geraunzte Anfeindungen der kommunalen Entscheidungsträger. So auch Bürgermeister Rembold, den man als Erfüllungsgehilfen des politischen Systems am untersten Ende der Befehlskette als Angriffsperson ins Visier nahm. "Geschichte, die sich vor über 80 Jahren ereignet hat, solle sich nicht wiederholen" und er wurde aufgefordert, "nicht gutgläubig alles auszuführen, was ihm auferlegt wird". Das hat der Mann nicht verdient und es bleibt ein bedenklicher Nachgeschmack. Ein Nachdenken vor dem Querdenken wäre positiv und eine Basis für ein dringend benötigtes Umdenken.

Walter G. Wentenschuh, Waldstetten

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