Lesermeinungen

Trügerische Illusion

zum Thema: Frieden ohne Waffen?

In der Frage, ob die Ukraine mit schweren Waffen unterstützt werden soll, scheiden sich die Geister, was sich in intensiven Debatten, so auch in Leserbriefen dieser Zeitung, niederschlägt. Frieden schaffen ohne Waffen: dieses Credo haben sich weltweit Pazifisten auf ihre Fahnen geschrieben. Die Friedensaktivistin Bertha von Suttner, die für ihren 1889 erschienenen Bestseller „Die Waffen nieder“ den Friedensnobelpreis erhielt, konnte um die Jahrhundertwende noch nicht ahnen, dass durch die beiden Weltkriege mit Abermillionen von Opfern ihre hehren Ziele und Ideale einer Verhöhnung gleichkommen würden. Im Fahrwasser nationalistisch-militaristischer und expansionistischer Großmachtpolitik konnten sich pazifistische Ideen nur schwer entfalten, geschweige durchsetzen. Wie sich in den dreißiger Jahren demokratische Staatsmänner, darunter so überzeugte Protagonisten der Appeasement-Politik wie der Brite Chamberlain und der Franzose Daladier, von Hitlers mantraartigen Friedensbeteuerungen düpieren ließen, so gingen führende Politiker in ihrer naiven Blauäugigkeit und geblendet von der „Friedensdividende“ dem perfiden Machiavellist Putin auf den

Leim, bis dieser am 24. Februar endgültig die Maske fallen ließ und den schlimmsten Völkerrechtsbruch seit Hitlers Überfall auf Polen beging.

Was lernen wir daraus? Frieden schaffen ohne Waffen ist eine trügerische Illusion. Ein durch militärische Stärke gewährleistetes Abschreckungspotenzial – das zeigen die bundesdeutsche Wiederbewaffnung, der NATO-Beitritt und der NATO-Doppelbeschluss – garantierten während des Kalten Krieges das Gleichgewicht des Schreckens und somit den Schutz und die Sicherheit der freien westlichen Welt.

Dr. Kurt-Helmut Scheidle

Aalen-Unterkochen

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