Lesermeinung

Überholte Feindbilder

Zu: „Jürgen Wellerkämpft für FFH- Gebiete“ , Schwäpo vom 12. Oktober:

In dem Artikel (wird) sich Feindbildern bedient, die schon seit Jahrzehnten den Kopf für überzogene Maßnahmen hinhalten müssen: Kletterer und Mountainbiker, die „erhaltenswerte Bereiche wild nutzen“. Und zwar zwischen Wasseralfingen und Bopfingen. Als Hintergrund: Ende der 1980er Jahre verunglimpfte der private Naturschutz mit fundamentalistisch anmutender Argumentation den Klettersport, der zu dieser Zeit bereits auf eine knapp 100-jährige Geschichte in Baden Württemberg zurückblicken konnte. Gegen die Wucht und das Überraschungsmoment dieser Argumentation, die in der Politik auf fruchtbaren Boden fiel, war die unorganisierte Kletterschaft nicht vorbereitet. Am Ende erging in BW ein allgemeines Kletterverbot an allen Felsen in unserem Bundesland! Diejenigen Felsen, an denen heute unter strengsten Regelungen geklettert werden darf, sind nur aufgrund hart errungener Ausnahmeregelungen davon ausgenommen. Und zwischen Wasseralfingen und Bopfingen gibt es davon keinen einzigen! „An diesem von Mountain-Bikern befahrenen Weg an der Brunnensteige … stehen geschützte Pflanzen“ zeigt ebenso klar, dass trotz Wanderern, Spaziergängern und Mountainbikern dort seltene Pflanzen gedeihen. Das nebeneinander scheint zu funktionieren und dennoch wird das Rad (...) verunglimpft. Verglichen mit dem Flächenverbrauch eines Trails ist großangelegte Versiegelung durch Verkehrsinfrastruktur, Wohn- oder Industriegebieten der größere Verlust (...). Nebenbei ist der DAV als Dachverband der Kletterer mittlerweile Mitglied im Landesnaturschutzverband, unterstützt örtliche Arbeitskreise für Klettern und Naturschutz und schult seine Mitglieder auf rücksichtsvolles Verhalten in der Natur. (...)  Wie man heute noch teilweise vom privaten Naturschutz gesehen wird, zeigt, dass in der Wahrnehmung der Arbeit für ein gemeinsames Ziel Lücken klaffen. (...) Und nachweislich ist durch den Klettersport keine geschützte Pflanze oder seltene Vogelart in BW verschwunden.

Andreas Bogenschütz

Aalen

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