Lesermeinung

Was ist heute noch Kunst?

Zur Berichterstattung über die „Goldene Palme“ und die Provokationsmaschine, SchwäPo vom 17. und 19. Juli:

Über Kunst lässt sich trefflich streiten. Das war immer so und wird wohl auch so bleiben. Als Kunstfreund mache ich mir mal wieder ernsthaft Gedanken über die heutige Kunst, ausgelöst durch Veröffentlichungen in der SchwäPo (17. und 18.7. 2021). Da soll mit Inszenierungen von gut 5,6 Stunden der Regisseur Frank Castorf mit seinen nun 70 Jahren die neuere deutsche Theatergeschichte maßgeblich mitgeprägt haben. Wenn da mal auf seiner Bühne die Hand einer Frau im Fleischwolf verschwindet, so entspricht dies seinem Kunstbegriff, denn „Wenn es noch peinlicher ist als peinlich, dann entsteht Kunst“.

Mit Schiller ist da die Würde der Menschheit doch arg gesunken, denn sie „erhebt sich oder sinkt mit den Künstlern“.

Nicht besser sieht es offenbar mit der Würde der Frauen aus, wenn man die Würdigung über den höchsten Preis der diesjährigen 74. Internationalen Festspielwoche in Cannes liest. Da provo-ziert und schockiert der Siegerfilm “Titane“ als feministischer Horrorfilm. Laut Inhaltsangabe

gelingt es der Serienkillerin Alexia sogar, nach Sex mit (nicht in) einem Auto schwanger zu werden. Wo bleibt da ein Aufschrei von Frauen-Künstler-Menschenrechtsverbänden, wenn der Kunstbegriff so verunstaltet/pervertiert wird?

Wenn die Kunst „das Gewissen der Menschheit“ ist (Friedrich Hebbel-1813-1863), habe ich da ein ganz schlechtes Gewissen.

Dr. Dieter Bolten

Essingen

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