Was Patienten mehr helfen würde als ein Neubau

Zur Klinik-Debatte:

Es wird derzeit breit darüber diskutiert, wie die Klinik-Landschaft im Ostalbkreis verändert werden müsste, um drei Probleme zu lösen. Die finanzielle Schieflache, das fehlende Personal und die schlechte Belegung /Auslastung sollen angegangen werden.

Ich frage mich, ob dies dauerhaft gelingen kann, indem man eine der drei Kliniken schließt und die dann so viel beschworenen Synergie-Effekte nutzt. Es wird dabei sehr viel Geld ausgegeben, hohe Investitionen der letzten Jahre in die alten Standort „verbrannt“ und bestehende Strukturen zur Disposition gestellt.

Ein Neuanfang kann aber nur gelingen, wenn nicht an den Symptomen „herum gedoktert“ wird, sondern die Ursachen der bundesweiten Fehlentwicklung behoben werden.

Als ab 2003 die Fallpauschalen eingeführt wurden anstelle der zeitraumbezogenen beziehungsweise Einzelleistung-Vergütung kam es nicht zu den gewünschten Effekten (Kostendämpfung, Vereinfachung). Stattdessen sind neue Probleme entstanden: So werden mehr Operationen durchgeführt als nötig, weil sie den Kliniken Geld bringen. Deshalb kommt es zu „blutigen Entlassungen“ von nicht geheilten Patienten, weil die Pauschale unabhängig von der Verweildauer gezahlt wird.

Deshalb ist das Personal umso mehr von schwer kranken Patienten gefordert, muss zu viel leisten und brennt aus. Die fehlenden Pflegekräfte sind (zu) oft aus ihrem Beruf ausgestiegen, weil die wirtschaftlichen Interessen der Kliniken (Einnahmen generieren und Kosten sparen) dazu geführt haben, dass die Pflege nur noch auf unbefriedigende und belastende Weise ausgeführt werden kann. Eine individuell angemessene Behandlungsdauer würde den Patienten und dem Personal mehr helfen als ein Neubau. Ohne Vergütung nach Fallpauschalen nähme dies auch den Kliniken den wirtschaftlichen Druck.

Dorit-Aletta Zulley,

Schwäbisch Gmünd

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