Lesermeinung

Wenn der Mammon ruft

Zum Thema: Vereinswechsel von Max Kruse

Auch wenn der abrupte Vereinswechsel von Max Kruse von Union Berlin zum VfL Wolfsburg beim einen oder anderen Kopfschütteln hervorruft, ist der Schritt angesichts der sprunghaften fußballerischen Karriere des extravaganten Söldners keine Überraschung.

Indem der unstete Wandervogel seine Zelte an der Alten Försterei abbricht, verabschiedet er sich von einer fantastischen Fanszene und der Kultstätte eines Traditionsvereins, wo Heimspiele bei voller Hütte ein emotionales Feuerwerk bedeuten. Dass er all das gegen eine triste Atmosphäre in einem halbleeren Stadion eines aus der Retorte geborenen und von einem Weltkonzern gesponserten Werksclubs eintauscht, ficht ihn nicht im Geringsten an, Hauptsache, die Kohle stimmt.

Während Kruse aus der gängigen Praxis der Profitmaximierung keinen Hehl macht, schieben nicht wenige Kollegen aus seiner Zunft eine neue sportliche Herausforderung oder den Wunsch nach einem neuen sozialen Umfeld als Motiv für einen Vereinswechsel vor. Alles leere Phrasen aus dem Munde verkappter geldscheffelnder Ronaldos und Messis.

Kontrastmodell dazu - ich nehme hier Bezug auf seinen jüngsten Auftritt im SWR 3-Sportstudio - ist Christian Günter vom SC Freiburg, ein durch und durch authentischer Spielertyp, der den lukrativen Lockrufen des schnöden Mammons bisher nicht erlag und Vereinstreue, Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit - für die Nimmersatts des bezahlten Fußballs längst obsolete Begriffe - beispielhaft verkörpert. Wären nur mehr Profikicker aus diesem Holz geschnitzt! Es würde dem Fußballsport sicher nicht schaden.

⋌Dr. Kurt Scheidle

⋌Aalen-Unterkochen  

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