Lesermeinung

Wertschätzung und Würde

Zum Kongress „Leben.Würde!“ auf dem Schönblick

Zur Berichterstattung um die Kampagne gegen den Kongress „Leben.Würde!“

Die Meldungen über den Kongress und die angestrebte Demonstration der Gmünder Fraueninitiative haben mein Interesse an dem Kongress intensiviert.

Zur emotional geführten Debatte habe ich drei Fragen:

1. Wieso sollen Christen und christliche Organisationen sich nicht zur Sterbehilfe zu Wort melden und sich bei einem Kongress über fachliche, seelsorgliche und ethische Fragen austauschen? Der Deutsche Bundestag wird im Oktober über die Neuregelung der Sterbehilfe entscheiden. Der Ethikrat der Bundesregierung hat sich in der Frage zu Wort gemeldet. Schließlich begleiten die Kirchen in unserem Land seit über 1000 Jahren Menschen seelsorglich in Sterbeprozessen und prägten das ethische Verständnis in unserem Land mit. Ich lese gelegentlich Todesanzeigen. Wie oft wird Pfarrerinnen und Pfarrern für ihre wertvolle, tröstende seelsorgliche Begleitung gedankt. Auch in christlich geführten Pflegeheimen werden Menschen in Würde und Respekt gepflegt und begleitet.

2. Warum sollen sich Christen nicht zum Thema Abtreibung mit ihren Überzeugungen präsentieren und diskutieren? Es gibt ja (noch) den Paragrafen 218. Es wird suggeriert, als gäbe es ihn nicht (mehr). Das Familienministerium hat eine Kommission zur Überprüfung eingesetzt. Das Ergebnis liegt noch nicht vor. Wir leben doch in einer Demokratie. Die Meinung der Zivilgesellschaft wird gewünscht. Demokratie lebt davon, dass man unterschiedlicher Meinung sein kann.

3. Sollte der Anspruch eines respektvollen Umgangs nicht auch Christen mit konservativeren Profilen gelten? Viele Parteien, Gewerkschaften und Kirchen fordern zurecht Respekt und eine wertschätzende Sprache zu unterschiedlich ausgerichteten sozialen Gruppen in unserem Land. Eine Menge der Begriffe, mit denen die Gruppen und Referenten des Kongresses „schubladisiert“ werden, lassen Respekt vermissen. Es wird gar mit populistischen und unlauteren Mitteln polemisiert.

Ich fordere einen offenen Dialog. Beschimpfungen und Verunglimpfungen mit Vergleichen extremer Abtreibungsgegner bringen Polemik und Emotionen, verhindern sachlichen Meinungsaustausch.

Das Reden über Leben und Sterben und die Herausforderungen in der Mitte des Lebens verlangen Wertschätzung und Würde, nicht Abwertung – auch nicht in der Debatte mit Andersdenkenden.

Kuno Kallnbach

Rentner, Mitinitiator des Kongresses

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