Lesermeinung

Zu "Amazon ist eine Riesenchance für Ungelernte" vom 22. August

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Die Sichtweise von Herrn Bürgermeister Jürgen Stempfle erstaunt mich sehr. Ob er damit seiner Gemeinde nicht einen Bärendienst erweist!! Sein Vergleich mit Discounter und örtliche Metzgereien oder Bäckereien ist anders zu bewerten.

Die Sichtweise von Herrn Bürgermeister Jürgen Stempfle erstaunt mich sehr. Ob er damit seiner Gemeinde nicht einen Bärendienst erweist!! Sein Vergleich mit Discounter und örtliche Metzgereien oder Bäckereien ist anders zu bewerten. Bei aller Problematik haben die Handwerksbetriebe die Chance mit qualitativ besseren Produkten gegen die billig Erzeugnissen zu punkten.

Herr Stempfle verschließt die Augen vor dem Absinken des sozialen Standards. Amazon befindet sich seit Jahren im Tarifkonflikt mit Verdi. Sie verweigert sich den Tarifvertrag Einzelhandel/Versandhandel anzuwenden. Behauptet, der Logistik-Tarifvertrag treffe zu und führt aber gleichzeitig mit dem Handelsverband Deutschland (HDE) Gespräche über eine Mitgliedschaft.

Die bezahlten Löhne für Logistikarbeiter liegen zwischen 10,52 und 11,39 Euro also weit unter dem Tarif für den Einzel/Versandhandel. Die Aussagen von Herrn Stempfle sind bezüglich Mindestlohn nicht korrekt. Die Partei "die Linke" fordert 13 Euro und die Gewerkschaft Verdi 12 Euro als gesetzlichen Mindestlohn. Dass der Bürgermeister von Böbingen wegen der Amazon-Löhne die Aussage trifft, hier kann sich der öffentliche Dienst "an die eigene Nase fassen" ist hoch interessant.

Wahrscheinlich hat er private Reinigungsfirmen im Haus oder kennt den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst nicht. Denn dieser kennt eine bessere Entlohnung.

Die Auswirkungen auf den örtlichen Handel werden gravierend sein. Die Empfehlung von Herrn Stempfle, die lokalen Händler könnten ja über Amazon verkaufen (und sich die Preise diktieren lassen) – na Danke, und das von einem Bürgermeister.

Und wie diskriminierend ist, von "einem bestimmten Klientel" zu reden. Ungelernte, Frauen ohne Ausbildung oder Geflüchteten Arbeitsbedingungen von Amazon als Chance anzupreisen, spricht nicht gerade für einen Bürgermeister für alle Bürger.

Klaus Fischer

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