Lesermeinung

Zu den Corona-Demos:

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Wie muss er aussehen, der gute Demonstrant? Der, mit dem man spricht? Dessen Argumente man bereit ist anzuhören. Dessen Meinung es wert ist, gehört zu werden.

Wie muss er aussehen, der gute Demonstrant? Der, mit dem man spricht? Dessen Argumente man bereit ist anzuhören. Dessen Meinung es wert ist, gehört zu werden. Über den man nicht, sondern mit dem man spricht. Er scheint unauffindbar zu sein. Schaut man in den Medien nach, so sind diese voll mit unanständigen Demonstranten, dargestellt als Verschwörungstheoretiker (wer auch immer hier die Wahrheit definiert); rechten oder linken oder sonstigen Extremisten; Maskentragegegnern; Lehrern (reicht schon aus); oder jenen, die ein Grundgesetz mit sich rumtragen. Die Aufzählung bleibt unvollständig. Schon der bloße Augenschein genügt, sie einzureihen und zuzuordnen, zu welcher der oben genannten Optionen diese so markierten Demonstranten zählen. Aber mit denen redet besser keiner. Über sie schon, ja, das geht.

Zudem, so liest man, sind diese Subjekte nicht solidarisch und oder auch schon deswegen undemokratisch. (...) Im Grunde ist es da dann das Beste, so scheint dann die Schlussfolgerung zu lauten, diesen Menschen mit sozialem Druck und etwas Diffamierung auf die Sprünge zu helfen. Damit daraus endlich gute Demonstranten erwachsen, die dann vertreten, was der eigenen Meinung entspricht. Ist aber die ehrliche Auseinandersetzung nicht wichtiger als die Anfeindungen untereinander? (...) Darf ein Extremist nicht auch friedlich ein Grundgesetz in Händen halten und dafür einstehen? Ist es zu verurteilen, sich als Lehrer/in im Rahmen unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung zu engagieren? Können normale Bürger nicht auch ihre Meinung kundtun, ohne dafür vorverurteilt zu werden?

(...) Wer die oppositionelle Meinung oder Person diffamiert anstatt sich mit ihr auseinanderzusetzen, der degradiert sein Gegenüber in die politische Unmündigkeit. Könnte der gute Demonstrant nicht ein ganz normaler Bürger von nebenan mit einer anderen Meinung sein, mit der respektvoll umgegangen werden könnte?

Heubach

Thomas Hieber

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