Lesermeinung

Zu Rodungen und Ausgleichsmaßnahmen

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Ausgleichsmaßnahme – ein Feigenblatt-Wort: Mittlerweile ist ein Monat vergangen, seit es die fünf Bäume auf dem zugekauften Gelände des fem (Forschungsinstitut für Edelmetalle und Metallchemie) und damit den "Mörikepark" nicht mehr gibt.

Ausgleichsmaßnahme – ein Feigenblatt-Wort: Mittlerweile ist ein Monat vergangen, seit es die fünf Bäume auf dem zugekauften Gelände des fem (Forschungsinstitut für Edelmetalle und Metallchemie) und damit den "Mörikepark" nicht mehr gibt. Das Herzblut ist geflossen, der Aufschrei und das Bedauern in den Sitzungen und in der Presse ist verhallt – stark und anhaltend waren beide nicht.

Seltsam, dass die größte Blutbuche in Schwäbisch Gmünd kein Naturdenkmal war. Seltsam auch, dass von Seiten der BI "Pro Gamundia – Lex Gamundia" gegen den bevorstehenden Abriss des ehemaligen Forsthauses an der Katharinenstraße bislang kein Protest erhoben wurde. Dieses typische und stattliche Bauwerk in der Klinker-Architektur des 19. Jahrhunderts steht nicht unter Denkmalschutz. Doch nach dem Abbruch der Villa Kötzschke in der Charlottenstraße hat die Stadtverwaltung Respekt vor dem gewachsenen Gmünd gelobt. Warum sind mir als Mutlanger diese Fakten nicht gleichgültig? Zum einen habe ich früher in der Stadt gewohnt, zum anderen leben in der großen Wohnanlage Katharinenstraße 11 unsere Freunde, die über den Wandel ihrer Umgebung per Überraschungsschlag sehr betroffen sind. Waren wir dort zu Besuch, dann haben wir den Blick auf die Prachtsbäume und das Vogelkonzert genossen. Zudem: Klimaveränderungen und schlechte Beispiele machen an Ortschaftsgrenzen nicht Halt. Von Seiten des fem wurde ein Trost versprochen: Ausgleichsmaßnahmen. Das Wort gehört für mich auf die Vorschlagsliste der Unwörter des Jahres. Denn nie kommt es zu einem wirklichen Ausgleich. Beispiel: Für das hektargroße Gelände des tegut-Markts auf dem Rehnenhof, einst eine Wiese mit fünf Linden im Kreis, gab es als Ausgleichsmaßnahme eine Wiese in Westhausen bei Aalen, 30 Kilometer von Gmünd entfernt, die nun nicht mehr bewirtschaftet, sondern naturbelassen wird. Ich möchte hiermit alle verantwortlichen Gmünder auffordern, präventive Maßnahmen zu ergreifen, bevor ein weiteres Mal "mit Sägen Fakten geschaffen" werden.

Franz Sickert, Mutlangen

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