Lesermeinung

Zum Aalener Theater im KubAA:

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"Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen und jeder geht zufrieden aus dem Haus." Das sind die Worte des Theaterdirektors im Vorspiel zum "Faust".

"Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen und jeder geht zufrieden aus dem Haus."

Das sind die Worte des Theaterdirektors im Vorspiel zum "Faust". Aber wie macht das der Theaterdirektor und große Dichter Goethe? Auch das Genie Goethe lässt sich von anderen Größen wie dem von ihm hochverehrten Shakespeare inspirieren. Und dieser wiederum schöpft aus dem Quell des Ursprungs – dem griechischen Theater, das Urbilder gestaltet, die zeitlos sind und sich deshalb in jede Zeit kleiden lassen.

Die Aalener Inszenierung holt den Zuschauer herein in das Menschendrama, so wie es heute stattfindet. Die Macht der Liebe, die den Willen der Menschen in die Hand nimmt und sie todesmutig werden lässt, aber auch die Macht der Gewohnheit, des Herkömmlichen, immer gleichen, des Blutes, das diese Gewohnheit trägt und nichts Neues aufkommen lassen will. Kurzum des Bösen.

Es gibt aber auch den Chor, das Schicksal, das den Tod bestimmt, seine Zeit und seine Umstände. Wie wird da dem Zuschauer zumute, wenn der Bote, der Romeo benachrichtigen soll, nicht vorgelassen wird, weil er "infiziert" ist und der deshalb Schicksal gestaltend Schuld an dem Tod des Paares wird? Wie weit ist da Schicksal eine Macht, der wir einfach ausgeliefert sind oder die wir selber in uns tragen, je nachdem ob wir aus Liebe oder Trägheit und Gewohnheit handeln? Es liegt am Zuschauer selber, wie er aus dem Haus geht und was er aus dem Stück herausholt. Ganz großes Theater!

Inge Sperr

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