Lesermeinung

Zum Artikel "Masken-Affäre setzt der CDU im Südwesten zu", erschienen in der Tagespost am Montag, 8. März:

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Jetzt hat endlich auch die Corona-Pandemie ihre eigene Amigo-Affäre. Dieses Mal geht's also um Corona-Schutzmasken. Und wieder mal stellen die Unionsparteien die Hauptdarsteller.

Jetzt hat endlich auch die Corona-Pandemie ihre eigene Amigo-Affäre. Dieses Mal geht's also um Corona-Schutzmasken. Und wieder mal stellen die Unionsparteien die Hauptdarsteller. Die haben halt nun mal die besseren Kontakte zur Wirtschaft – das ist einfach so. Heute heißt es auch nicht mehr Amigo, sondern Networking. Klingt gleich viel cooler. Und natürlich bewegen wir uns heute geldmäßig in ganz anderen Dimensionen als noch Anfang der Neunziger. Für einen popeligen Brasilien-Urlaub wie damals hätten vermutlich weder der smarte Herr Löbel noch der distinguierte Herr Nüßlein den kleinen Finger gerührt. Fett im sechsstelligen Bereich muss es schon sein. Absolut marktüblich sei das, verkünden die Herren, die einer Regierungspartei angehören, die unter Ächzen und Würgen einen aktuellen Mindestlohn von 9,50 Euro verabschiedet hat, also für "marktüblich" hält. Brutto. Pro Stunde. Wenn ich richtig gerechnet habe, muss ein Mindestlohnempfänger für die Viertelmillion die Herr Löbel quasi im Vorbeigehen eingesteckt hat, mehr als zwölf Jahre arbeiten! Und jetzt wettern alle Spitzenpolitiker der entsprechenden Parteien gegen die Herren Löbel und Nüßlein, verurteilen die von ihnen getätigten Geschäfte aufs Schärfste und verlangen Rücktritt, , beziehungsweise Mandatsniederlegung. Sie reden von Moral und Wertevorstellungen. Alles schön und gut, aber verboten ist es doch wohl nicht, sonst würde das ja strafrechtliche Ermittlungen nach sich ziehen, oder? Also ist es eigentlich wieder nur dumm gelaufen und das Timing des Bekanntwerdens hat nicht gepasst, so von wegen Landtags- und Bundestagswahl.

Ulrike Bulling, Lorch

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