Lesermeinung

Zum Artikel: "Protest mit Kinderschuhen" vom 2. April:

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Wer dieser Tage aufmerksam die Nachrichten verfolgt, der kommt an den sogenannten Querdenkern nicht vorbei. (...) Dabei wurden vor Kurzem in zahlreichen Orten Kinderschuhe auf den Marktplatz gestellt und somit auch kein Halt vor geschmackloser Instrumentalisierung von Kindern und Kriegsvergleichen gemacht.

Wer dieser Tage aufmerksam die Nachrichten verfolgt, der kommt an den sogenannten Querdenkern nicht vorbei. (...) Dabei wurden vor Kurzem in zahlreichen Orten Kinderschuhe auf den Marktplatz gestellt und somit auch kein Halt vor geschmackloser Instrumentalisierung von Kindern und Kriegsvergleichen gemacht. Aber im Grunde erscheinen die Forderungen sehr harmlos. Was kann schon schlecht daran sein, in einer Demokratie mehr Freiheit einzufordern? Offenkundig gibt es im Moment für alle große individuelle Freiheitsbeschränkungen. Zweifelsfrei stellt dies eine große psychische Belastung für viele dar und hat dramatische Auswirkungen (...).

Dabei ist zu kritisieren, dass in der Vergangenheit zu wenig Präventivmaßnahmen erfolgt sind, dass die finanzielle staatliche Unterstützung nur bescheiden ausfällt und dass nur halbherzig und erfolglos versucht wird, das Virus zu bekämpfen.

Doch darf insbesondere in einer freiheitlichen Demokratie die Freiheit eines Menschen niemals das Leben anderen gefährden. Die Einschränkungen unserer Bewegungsfreiheit schützen die Gesundheit zahlloser Menschen und damit das Recht auf Leben. (...) Immer wieder beteuern diese Freiheitsbeschränkerinnen und Freiheitsbeschränker, dass die Maßnahmen dem verfassungsrechtlichen Grundsatz der Verhältnismäßigkeit nicht entsprächen und wägen dabei in unerträglichem Maße das Recht auf Leben und Gesundheit gegen individuelle Eigeninteressen ab.

Da stellt sich die Frage, wo all diese Menschen sind, wenn es um Themen wie soziale Ungerechtigkeit, Rassismus oder Klimaschutz geht, wo Freiheiten strukturell begrenzt werden. Die Antwort darauf ist sehr durchschaubar.

Die sogenannten Querdenker stehen nur für ihre eigene Freiheit ein und ignorieren dabei die Freiheit von Pflegekräften, von den Angehörigen von fast 80 000 durch Corona Verstorbenen in Deutschland.

Lennart Fischer

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