Lesermeinung

Zum Bericht über die Klimapartnerschaft mit Bahir Dar

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Es ist ein tolles Projekt der Stadt Schwäbisch Gmünd: eine Klima-Partnerschaft mit Bahir Dar in Äthiopien. Doch die Berichterstattung darüber mit der Schlagzeile "Gmünd will in Äthiopien dauerhaft helfen" in der GT vom 11.

Es ist ein tolles Projekt der Stadt Schwäbisch Gmünd: eine Klima-Partnerschaft mit Bahir Dar in Äthiopien. Doch die Berichterstattung darüber mit der Schlagzeile "Gmünd will in Äthiopien dauerhaft helfen" in der GT vom 11. März ist antiquiert, weil dem post-kolonialen Denken verhaftet und mit der Zielsetzung einer ernst gemeinten Partnerschaft unvereinbar. Weil es der Blick von oben, von uns, dem reichen Teil der Menschheit, auf die "da unten", den ärmeren und hilfebedürftigen anderen Teil der Menschheit, ist. Gleich schließt sich der Gedanke an, Spenden sammeln zu sollen und die wirtschaftliche Entwicklung der Partnerstadt in spe anstoßen zu wollen.

So kennen wir es bisher. Wann ändern wir unsern Blick und setzen wir auf gleiche Augenhöhe mit einer afrikanischen Stadt, die in einer kulturell viel älteren Region liegt als wir? Hierher stammen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen wir Menschen insgesamt. Aus Äthiopien – so verbürgt es die Bibel – reiste schon vor circa 3000 Jahren die Königin von Saba mit einer Karawane nach Jerusalem, um ihre Klugheit mit der Weisheit König Salomos zu messen. Nicht nur in der Antike, sondern auch zur Zeit unseres europäisches Mittelalters florierten hier mächtige, durch Fernhandel blühende Kaiserreiche. Mit diesem reichen Erbe konnte sich Äthiopien als beinahe einziges afrikanisches Land der Kolonialisierung durch die Europäer im vorvorherigen Jahrhundert widersetzen. "Helfen" zu wollen ist vorschnell gedacht. Wir hier in Schwäbisch Gmünd haben mit einer afrikanischen Partnerstadt vor allem die Gelegenheit, in einen Austausch zu gehen und ganz viel Neues hinzuzulernen.

Marie Baumann

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