Lesermeinung

Zum Leserbrief von Harry Tauber vom 17. März:

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Sie schreiben, dass man Corona sehr ernst nehmen muss. Gleichzeitig fordern Sie aber das Ende des Dauer-Lockdowns. Wie meinen Sie das? Volle Sporthallen und Kaufhäuser?

Sie schreiben, dass man Corona sehr ernst nehmen muss. Gleichzeitig fordern Sie aber das Ende des Dauer-Lockdowns. Wie meinen Sie das? Volle Sporthallen und Kaufhäuser? Geöffnete Diskotheken und Konzertsäle? Ballermann- und Après-Ski-Partys? Nicht zu vergessen Fußball in vollen Stadien?

Es ist sehr zu bedauern, dass in Ihrem Umfeld einige ältere Menschen an Impfungen gestorben sind. Trotzdem bin nicht nur ich sicher, dass Impfungen nicht sinnlos sind, sondern irgendwann dafür sorgen, dass Ihre Forderung erfüllt wird. Es wird so sein, wie mancherorts in der Wirtschaft. Die einen arbeiten und die anderen kassieren. So sind es in meinen Augen eben die, die sich impfen lassen und nicht die Verweigerer, die irgendwann für ein hoffentlich normales Leben mit wieder funktionierender Wirtschaft sorgen, wovon alle profitieren können. Es sind nicht die, die Selbstbestimmung und Selbstverantwortung mit rücksichtsloser Auslebung ihres Egoismus verwechseln. Nein, es sind die, die solidarisch und rücksichtsvoll und auch geduldig sich verhalten. Es sind auch nicht die, die nach Freiheit schreien und skandieren: Wir sind das Volk! Aber auch die werden von der Impfbereitschaft der anderen profitieren. (...)

Auch unter dem Gesichtspunkt, dass die Infektionszahlen wieder bedenklich steigen, schaut man z. B. nach Schwäbisch Hall, kommt in meinen Augen das unbedingte Verlangen nach einem Ende des Lockdowns eher dem Verhalten eines Kleinkindes gleich, das im Supermarkt an der Quengelkasse heulend auf dem Boden tobt, weil Mama ihm keine Süßigkeiten kauft. Dass diese Pandemie die größte Krise seit dem 2. Weltkrieg ist, steht für mich außer Frage. Unsere momentane politische Situation aber mit einer Diktatur zu vergleichen, finde ich unerträglich und völlig empathiefrei. Dies kommt nicht nur einer Verhöhnung derer gleich, die das Dritte Reich ertragen mussten und dafür sterben mussten, sondern auch derer, die in heute noch existierenden Diktaturen leiden müssen bzw. umgebracht werden.

Berthold Erhardt

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