Lesermeinung

Zum Thema "Coronagipfel":

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Unter dem wachsenden Druck einer sich veräppelt und gegängelt fühlenden Öffentlichkeit und in Anbetracht sinisterer gesamtwirtschaftlicher Auspizien hat sich der jüngste Coronagipfel mühsam zu einem Paradigmenwechsel durchgerungen.

Unter dem wachsenden Druck einer sich veräppelt und gegängelt fühlenden Öffentlichkeit und in Anbetracht sinisterer gesamtwirtschaftlicher Auspizien hat sich der jüngste Coronagipfel mühsam zu einem Paradigmenwechsel durchgerungen. Getreu den ausgehandelten Vorgaben Differenzierung, Regionalisierung und Flexibilisierung hat sich ein Teil der Länderchefs, für die angesichts bevorstehender Wahlen die aktuellen demoskopischen Umfragewerte offensichtlich wichtiger sind als partiell bedrohlich steigende Infektionszahlen, in puncto Lockerungsmaßnahmen und Öffnungsstrategien zu einem Parforceritt entschlossen, wohl wissend, dass dies ein Ritt auf der Rasierklinge bedeuten kann.

Auf der anderen Seite gibt es eine Kanzlerin und Ministerpräsidenten wie Söder und Kretschmer, die wohlweislich auf die Bremse treten und mahnend den Zeigefinger heben, weil sie eine dritte Coronawelle befürchten. Das nötige Feedback bekommen sie von dem larmoyanten RKI-Präsident Wieler und vom selbst ernannten Coronaexperten Lauterbach. In der Frage, ob den Beschlüssen ein nachhaltiger Erfolg beschieden ist, ist Skepsis angebracht. Solange nämlich das zeitraubende Prüfungsprozedere von EMA und STIKO sich als retardierender Faktor bei der Coronabekämpfung erweist und die pathologische Regulierungswut sowie der typisch deutsche Amtsschimmel ihr Unwesen treiben, wird die Hightech-Nation Deutschland in der die Erfolgsbilanz dokumentierenden Corona-Rankingtabelle weiterhin einen blamablen Platz belegen. Daran werden auch künftige Coronagipfel nur wenig ändern.

Dr. Kurt-Helmut Scheidle

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