Lesermeinung

Zum Thema Schule und Digitalisierung:

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Gewiss: Digitalisierung gehört grundlegend zum täglichen Leben in Arbeit und Freizeit. Doch ein Blick auf Schulen belegt auch andere Schwerpunkte und Problematiken (ganz ohne Corona):

Gewiss: Digitalisierung gehört grundlegend zum täglichen Leben in Arbeit und Freizeit. Doch ein Blick auf Schulen belegt auch andere Schwerpunkte und Problematiken (ganz ohne Corona): Immer mehr Jugendliche zeigen sich nach der obligatorischen Schulzeit als nicht ausbildungsreif und finden keinen Beruf. Jeder zweite Jugendliche sei arbeitsunfähig, laut Bundesbildungsbericht 2010 – die Zahl ist mittlerweile gestiegen. Die einfachsten Regeln des menschlichen Miteinanders werden nicht mehr beherrscht, die Rechtschreibung sei miserabel. Die Hälfte der 15-Jährigen hätte nicht das zu erwartende Niveau Zehnjähriger was Lesen, Rechnen und Schreiben beträfe. "Deutsche Kinder: egoistisch, unhöflich, unerzogen", Focus, 2009. Moralische Eckpfeiler, menschliche Kommunikation, Selbständigkeit, Respekt, Achtung usw. haben sich grundlegend verändert, das Miteinander ist zum Nebeneinander geworden. Gehen Maß und Ziel immer mehr verloren?

Schulen und Eltern sind stärker gefordert! Ein Frontalunterricht, bei dem die Lehrkraft etwas klar erklären will, ist eher ausgestorben, Lehrer sind zu Coaches und Lernbegleitern mutiert. Eine notwendige, hilfreiche Lehrer-Schüler-Beziehung wandert immer mehr in den Hintergrund. Überhaupt: Werden noch Arbeitsblätter, Hefte, Bücher sinnvoll verwendet?

Sind nun Computer die besseren Lehrkräfte? Wie passen die Kanäle Gehirn/Bildschirm bei Kindern zusammen? Gibt es nicht auch größere Probleme bei der Entwicklung vor allem der Kinder durch zu viel Fernsehen, PC und Handy? Man sollte die Welt doch mit allen Sinnen erforschen! Kinder brauchen Bezugspersonen, Berechenbarkeit und Halt, Maß und Ziel. Freilich gehören diese Medien unabdingbar zum heutigen Leben, auch in Bildungsstätten. Aber ist diese messianische Digitalisierung der Schulen das allein Seligmachende für die heranwachsende Generation?

Paul Hug

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