Lesermeinung

Zum Thema Tierhaltung:

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Intensives Wegsehen, das war bisher die Strategie der verschiedenen Merkel-Regierungen zu den Missständen in Fleisch- und Tierhaltungsindustrie. Die Pandemie hat jetzt bewirkt, dass das nicht mehr durchgeht und sich Agrarministerin Klöckner als Handelnde präsentieren muss.

Intensives Wegsehen, das war bisher die Strategie der verschiedenen Merkel-Regierungen zu den Missständen in Fleisch- und Tierhaltungsindustrie. Die Pandemie hat jetzt bewirkt, dass das nicht mehr durchgeht und sich Agrarministerin Klöckner als Handelnde präsentieren muss. Nach wie vor wird aber intensiv weggesehen, auf allen Ebenen, wenn sich industrielle Tierhaltungsmethoden und Megaställe ausbreiten, auch im Ländle.

In Ellwangen und Ostrach, wo die größten Rinderställe im Land entstehen sollen, winken die Stadträte durch. Die hauptbetroffenen Ellwanger Stadträte wollten keinen Widerspruch gegen die Baugenehmigung einlegen. Einige Nachbargemeinden, die dies taten, bekamen vom Landratsamt [...] beschieden, dass sie das nichts anginge. Dasselbe Landratsamt bescheinigte dem dann wohl größten Gülleproduzenten im Land, dass von ihm "keine erheblichen negativen Umweltauswirkungen" zu erwarten seien.

Das grün geführte Regierungspräsidium Stuttgart hält sich vornehm zurück. Auch von der grünschwarzen Landesregierung sind keine Initiativen bekannt, um das Vordringen der Megaställe zu verhindern. Die Hauptverantwortlichen für die Gesetze, hinter denen sich all diese politischen Ebenen verstecken, sitzen freilich in Berlin, sodass wir wieder bei der Agrarministerin sind, die sich bisher eher als Lobbyistin für Agrar- und Ernährungsindustrie profiliert hat.

Dank CDU und Bauernverband gibt es in Deutschland immer noch eine Privilegierung auch für übergroße Tierhaltungen, also das Recht zu bauen [...]. Anstatt für den Umweltschutz Agrarfabriken zurückzudrängen, drangsaliert man lieber die Bauern mit dem bürokratischen Monster namens Düngeverordnung, mit dem Großagrarier leichter fertig werden.

Nicht besser geht es handwerklichen Metzgern und regionalen Schlachthöfen, die [...] vor der Bürokratie und der ausbeuterischen, billigen Schlachtindustrie kapitulieren. Und die viel gescholtenen, angeblich auf Billig-Fleisch versessenen Verbraucher? Eine klare Fleischkennzeichnung wie bei den Eiern würde ihnen das Wegsehen erschweren. Statt Alibi-Aktionismus und Ankündigungen gäbe es für Ministerin Klöckner also viel Konkretes anzupacken.

Martin Häring

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