Lesermeinung

Zum Thema Unterrichtsausfall

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Kehrt im Schulunterricht bald wieder Normalität ein? Das fragen sich Eltern, Schüler und Lehrer. Viel eher ist damit zu rechnen, dass der Spagat zwischen ineffizientem Homeschooling und hypotrophem Präsenzunterricht fortgesetzt und nur sukzessive heruntergefahren wird, und das zulasten einer coronageschädigten Schülergeneration, vor allem von Schülern aus Underdogmilieus mit traditionell soziolinguistischen Defizit.

Kehrt im Schulunterricht bald wieder Normalität ein? Das fragen sich Eltern, Schüler und Lehrer. Viel eher ist damit zu rechnen, dass der Spagat zwischen ineffizientem Homeschooling und hypotrophem Präsenzunterricht fortgesetzt und nur sukzessive heruntergefahren wird, und das zulasten einer coronageschädigten Schülergeneration, vor allem von Schülern aus Underdogmilieus mit traditionell soziolinguistischen Defizit. Für eine kurzfristige Schadensbegrenzung ist meines Erachtens unabdingbar, die Sommerferien auf ein vertretbares Maß zu reduzieren und pädagogisch sinnvoll zu funktionalisieren, und zwar in der Weise, dass qualifizierte und weisungsgebundene Lehrkräfte ad-hoc-Repetitorien und Kompaktkurse anbieten, wenn es sein muss auch in Inlandferiencamps. Mittel- und langfristig müssen die Bildungspläne – dies betrifft insbesondere Haupt- und Realschulen – standardisiert, von unnötigem Ballast entrümpelt und auf essenzielle Basics hin fokussiert werden. Grundvoraussetzung für den Restart eines regulären Schulbetriebs ist allerdings die längst überfällige Beseitigung föderaler Barrieren, denn ohne den Schulterschluss der Länder dürfte die Bilanz künftiger Pisastudien noch verheerender ausfallen, und die Quote der Studienabbrecher und der Fachkräftemangel könnten dramatisch ansteigen. Die im Jahre 1964 von dem Erziehungswissenschaftler Georg Picht getroffene Prognose einer "Bildungskatastrophe" könnte posthum bittere Wahrheit werden.

Dr. Kurt-Helmut Scheidle

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