Lesermeinung

Zur Lesermeinung "Trügerische Hoffnung" von Heidi Senese, 18. August:

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Frau Senese hat recht: die Zahl der Menschen, die an Grippe, Krebs, Herzinfarkten und Unfällen jährlich sterben, übersteigt bei Weitem die der aktuellen Covid-19-Toten. Dennoch gibt es gewaltige Unterschiede, die mir Angst machen.

Frau Senese hat recht: die Zahl der Menschen, die an Grippe, Krebs, Herzinfarkten und Unfällen jährlich sterben, übersteigt bei Weitem die der aktuellen Covid-19-Toten.

Dennoch gibt es gewaltige Unterschiede, die mir Angst machen. Ich bin weder Arzt noch Virologe. Zur Einschätzung der Lage reichen die Daten der WHO und des RKI und Dreisatz und Prozentrechnung zum überschlägigen Rechnen. Herzinfarkte, Krebs und Unfälle sind nicht ansteckend. Ihre Zahl ist weitgehend stabil. Grippe ist ansteckend, ihre Sterberate beträgt 1 von 1000. Es gibt einen Impfstoff, aber zu wenige lassen sich impfen, obwohl die Sterberate durch eine Impfung etwa 1000-fach verringert wird.

Die Sterberate von gemeldeten Covid-19-Erkrankten beträgt 5 von 100. Herdenimmunität wird erreicht, wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung erkrankt sind. Ließe man das zu, würden in Deutschland bis zu 2,7 Millionen Menschen innerhalb weniger Monate versterben. Zweiter Weltkrieg auf einige Monate zusammen gestaucht.

Die Statistik hat eine hohe Dunkelziffer, die wir nicht kennen. Mehr Menschen werden angesteckt als gemeldet. Aber auch mehr sterben am Virus als gemeldet. Vielleicht gäbe es ohne Schutzmaßnahmen deshalb nur eine oder eine halbe Million Covid-19-Tote in Deutschland.

Mit den bisherigen Maßnahmen haben wir die Zahl erfreulich niedrig halten können. Jede Lockerung kostet Menschenleben, solange Corona existiert. Über die Entscheidung, wie viele Menschenleben uns jedes Stück wiedergewonnene Alltagsnormalität wert sind, müssen wir als Gesellschaft streiten. Ist die Entscheidung getroffen, müssen sich alle an die Regeln halten.

Dr. Bernd Dörband

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