Reingeschmeckt Dagmar Oltersdorf Wer hat's erfunden? Nicht die Engländer...

Steinhäger und Co.

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Dagmar Oltersdorf

Da denkt man nun Jahrzehnte lang, dass der Gin aus England kommt. Stand doch die Queen Mum, Verkörperung royaler Tradition, stets auch für mindestens ein Gläschen britischen Gins mit Tonic täglich zum Erhalt ihrer Gesundheit. Was wohl geklappt hat – sie wurde immerhin 101 Jahre alt. So mancher – mich eingeschlossen – trinkt wohl auch deshalb gern mal guten Gewissens einen Gin Tonic quasi aus medizinischen Gründen.

Wer sich intensiver auf die Spuren des Gins macht, erfährt allerdings, dass es nicht die Engländer sind, die den Gin erfunden haben. Vielmehr, so erzählt Ansgar Kaufmann, haben ihn die Engländer aus den Niederlanden quasi importiert. Wilhelm von Oranien brachte das Wacholderdestillat namens „Genievre“ 1689 als Wilhelm III König von England mit auf die Insel. Der wurde nur 52 Jahre alt, fiel, glaubt man Wikipedia, vom Pferd und war tot. Ob der Wacholderschnaps schuld daran war, ist nicht überliefert. Der findet sich übrigens auch schon lange in einer braunen Flasche, die ich bis jetzt nicht mal von der Seite angeschaut habe. „Steinhäger“ steht drauf und Wacholderschnaps ist drin. Auch die Tradition dieses Schnapses soll schon viele Jahrhunderte zurückreichen. Bis um 1400. Hildegard von Bingen, die von 1098 bis 1179 lebte, empfahl Wacholderbeeren bei Brust-, Lungen- und Leberleiden. Freilich noch nicht hochprozentig, pur. So trinkt seinen Gin übrigens Ansgar Kaufmann am liebsten. „Mit Tonic, das ist was für die Frauen vom Englisch-Stammtisch, die vor Corona immer in die Küferstube gekommen sind“, sagt er. Womit wir dann doch wieder bei den Engländern wären ...

Gin

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