22 Monate Haft für Fahrerflucht nach Drogenfahrt

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Das Auto steht am 1. Mai 2019 in Brand, nachdem der Fahrer ein Ehepaar angefahren hatte und die Flucht ergriff. Archivfoto

Landgericht Ellwangen schickt 29-Jährigen ins Gefängnis, der 2019 zwei Senioren schwer verletzt liegen lässt.

Ellwangen/Böbingen. Ein 29-Jähriger aus einer Kreisgemeinde wurde am Dienstag von der 1. Schwurgerichtskammer unter dem Vorsitz von Richter Bernhard Fritsch zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt. Angeklagt war er unter anderem wegen mehrerer Vergehen im Straßenverkehr, versuchtem Mord und Beleidigung.

Staatsanwalt Michael Schwartz beschuldigte den Angeklagten N. des Fahrens ohne Führerschein am 11. April 2019 in Böbingen, dabei habe er ein Auto beschädigt. Am 1. Mai 2019 habe er gegen 19 Uhr eine Verbindungsstraße bei Böbingen unter Alkohol- und Drogeneinfluss und wieder ohne gültige Fahrererlaubnis befahren. Aufgrund zu hoher Geschwindigkeit habe er in einer Kurve zwei Spaziergänger, ein älteres Ehepaar, angefahren. Obwohl er es bemerkte, fuhr er mit seinem Beifahrer noch etwa einen Kilometer weiter. Er habe beide ohne Hilfe einfach liegenlassen, ohne zu wissen, ob sie noch lebten.

Dann habe er das Fahrzeug angezündet, um Spuren zu verwischen. In einer Erklärung, die sein Anwalt verlas, gab N. die meisten Tatbestände zu, die Beschädigung am 11. April und die Fahrt unter Alkohol- und THC-Einfluss. Er habe die Kollision mit der Frau bemerkt, stand unter Schock und sei weitergefahren. Auf Anraten seines Beifahrers, ein Freund, habe dieser das Auto angezündet. Von dem zweiten Verletzten habe er erst aus den Akten erfahren. Auch die Beleidigungen gab er zu. Es tue ihm leid, er könne sich nur entschuldigen.

Ein Zeuge, der in der Nähe des Unfallortes wohnt, hörte den Aufprall und sah das Auto mit quietschenden Reifen weiterfahren. Er fuhr zufällig in Richtung des Ortes und sah beim Vorbeifahren jemanden aus dem Gebüsch mit einem Gehstock winken. Sonst hätte er ihn nicht gesehen. Er leistete bei beiden erste Hilfe und rief den Notruf.

Der Beifahrer des Angeklagten sagte, er sei betrunken gewesen und habe den Aufprall nicht mitbekommen. Erst als dieser rief: "Ich hab ‘ne Frau überfahren", habe er auch die Glassplitter der Scheibe auf seiner Hose gesehen. Man hielt an, nach einem Gespräch sei er weggelaufen, er habe das Auto nicht angezündet. Es müsse N. gewesen sein. Richter Fritsche sagte, er glaube ihm nicht.

Ausländerfeindliche Sprüche

Zwei Polizisten, die an der Fahndung und der Verhaftung beteiligt waren, die bereits etwa 30 Minuten später geschah, berichteten über die massiven Beleidigungen, vor allem eines Kollegen mit südländischen Aussehen. Der besonders beleidigte Beamte wirkte bei seiner Aussage immer noch angefasst, da die Beleidigungen persönlich waren, teilweise ausländerfeindlich. Der Angeklagte habe sei auch bei Blutabnahme im Stauferklinikum und erkennungsdienstlicher Behandlung kaum zu bändigen gewesen.

Eine weitere Beamtin sagte, dass am Auto keine Spuren von Brandbeschleuniger gefunden worden waren. Richter Fritsche verlas mehrere frühere Anklagen und Strafbefehle für N. vor wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis, mit Roller und Pkw.

Der Vertreter der Nebenklage, Rechtsanwalt Peter Hubel, schilderte die Verletzungen der beiden Senioren. Beide hatten mehrere Brüche, die Frau kann bis heute nicht gehen. Dem Mann geht es etwas besser, beide können ihren Haushalt nicht mehr führen.

Der Staatsanwalt sagte in seinem Plädoyer, die Anklage wegen versuchtem Mord sei nicht zu beweisen. Trotz Geständnis forderte er insgesamt eine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Die Nebenklage schloss sich dem an. Der Verteidiger plädierte aufgrund des Geständnisses und einer positiven Entwicklung auf eine Strafe unter zwei Jahren, zur Bewährung ausgesetzt.

Nach einstündiger Beratung verkündete die Kammer das Urteil von einem Jahr und zehn Monaten Haftstrafe, dazu eine zweijährige Führerscheinsperre. Fritsche begründete dies mit einer fehlenden positiven Prognose und den Vorstrafen. Er müsse im Strafvollzug an sich arbeiten und einen Entzug machen.

Jürgen Eschenhorn

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