350 Kita-Plätze und 260 Fachkräfte fehlen

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Bis 2030 fehlen in Aalen noch 350 Kita-Plätze und 260 Fachkräfte in den Kitas.
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Was laut Kindergartenbedarfsplan bis 2030 in Aalen noch unternommen werden muss.

Aalen. Aalen wird in den kommenden Jahren die 70 000-Einwohner-Marke knacken. Die Verwaltung rechnet mit weiteren Menschen, die nach Aalen ziehen, und hohen Geburtenzahlen. Im Kultur-, Bildungs- und Finanzausschuss des Gemeinderats hat Stefan Overmann vom Stadtmessungsamt am Mittwoch eine Bevölkerungsvorausrechnung vorgestellt. Wie schnell genau die Stadt wächst, ist schwierig vorauszusagen. Das Gremium sprach sich dafür aus, von der mittleren Variante auszugehen. Darauf baut die Planung für viele Bereiche in der Stadt auf. Zum Beispiel, was den Kindergartenbedarfsplan angeht, in Aalen Akita genannt.

Auch der war Thema in der Sitzung. Laut Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann fehlen bis 2030 noch 350 Kita-Plätze und 260 Fachkräfte in den Kitas. Eine Sonderfinanzierung, genannt SoFi, soll andere Träger, zum Beispiel Kirchengemeinden, ermuntern, mitzuziehen und neue Kitas zu bauen oder bestehende Kitas zu erweitern. Bisher hat die Stadt 70 Prozent der Baukosten übernommen, kurzfristig soll der Zuschuss auf 80 Prozent erhöht werden.

Katja Stark vom Amt für Jugend, Familie und Soziales betonte, dass es dabei aber nicht nur um die bloße Anzahl der Plätze geht, sondern auch um die Qualität der Betreuung. So soll zum Beispiel die Sprachförderung in den Kitas in Aalen nicht unter den Tisch fallen, auch wenn der Bund die Förderung dafür eingestellt habe.

Die Verwaltung hat den Akita am Mittwoch nur eingebracht. Im nächsten Schritt wird er in den Ortschaftsräten vorberaten. Es folgt eine weitere Vorberatung im Ausschuss, bevor der Gemeinderat den Kindergartenbedarfsplan verabschiedet. Diskutiert wurde am Mittwoch im Ausschuss aber trotzdem.

Doris Klein (Grüne) wünscht sich, dass noch ein Passus in die SoFi aufgenommen wird, um zu verhindern, dass ein Träger eine neue Kita mit den Fördergeldern baut und ein paar Monate später eine andere Kita schließt. Außerdem fragte sie nach, was im neuen Baugebiet Tannenwäldle geplant sei. OB Frederick Brütting antwortete, dass der Akita dort ab 2026 eine viergruppige Kita vorsieht.

Für unumgänglich hält Nadine Patzelt (CDU) die Sprachförderung. Sonst gebe es keine Teilhabe an der Gesellschaft und auch keine Chancen auf Bildung. Sie fragte, ob Tablets im Kindergarten wirklich notwendig seien. Monika Brauch-Siedler (Grüne) antwortete: „Die Förderung von Medienkompetenz wird immer wichtiger.“ Patzelt fragte außerdem nach Tagespflegeangeboten, speziell nach der Tagespflege in geeigneten Räumen (TigeR) in Fachsenfeld. Laut Akita soll der Schloss-TigeR im Schloss Fachsenfeld im Januar an den Start gehen. OB Brütting zufolge sind die Räume fast fertig. Eine Person, die die Betreuung übernimmt, sei auch schon gefunden. Mit einer weiteren sei man im Gespräch.

Dass die Betreuung weiterhin flächendeckend und dezentral angeboten wird, sei für die SPD-Fraktion wichtig, sagte Petra Pachner. Das sei nur im engen Verbund mit den Trägern und allen weiteren Beteiligten möglich. „Die Sonderfinanzierung ist ein wichtiger Impuls an die Träger“, so Pachner. Außerdem brachte sie ins Spiel, dass sich Ehrenamtliche in den Kitas engagieren könnten.

Roland Hamm (die Linke) begrüßte die SoFi und sagte zum Thema Ehrenamtliche: „Das tut mir in der Seele weh.“ Man dürfe Standards nicht zurückschrauben. Nur Kräfte mit entsprechender Qualifikation sollten Kinder betreuen. Auch Brauch-Siedler sprach sich gegen Ehrenamtliche aus. „Das ist noch ein Azubi zusätzlich“, sagte sie. Auch die Außenwirkung sei bedenklich. Ehrenamtliche könne sie sich nur in klar umrissenen Bereichen in der Kita vorstellen, etwa als „Vorlese-Oma“.

Bernhard Ritter (Freie Wähler) nannte den Akita transparent und lobte, dass auf Wünsche der Eltern eingegangen worden sei. „Mit der SoFi tun wir uns im Moment noch schwer“, sagte er. Schließlich hätten die Freien Wähler in der Vergangenheit dafür plädiert, dass die Stadt 100 Prozent der Baukosten übernimmt und dafür dann Eigentümerin des Gebäudes ist. So sieht es auch Thomas Rühl (fraktionslos), der bis vor kurzem noch Fraktionssprecher der Freien Wähler war. Einen Zuschuss, egal ob 70 oder 80 Prozent, nannte er „verloren“. OB Brütting antworte: „Wir brauchen die Träger mit dabei, sonst schaffen's wir nicht.“

Inge Birkhold (Zählgemeinschaft Birkhold/Traub) forderte zur SoFi: „Wir müssen wissen, was uns das kostet.“ Der OB gab ihr recht, dass dadurch mehr Zuschüsse zu zahlen seien. „Wir sehen aber die Notwendigkeit, dass wir Träger motivieren.“ Arian Kriesch (FDP/FW) begrüßte die SoFi und wünschte sich für die Zukunft für Neubauten realistische Kostenberechnungen. ⋌Katharina Scholz

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