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50 Jahre Geschichtsverein Aalen

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Geschichtsverein
Geschichtsverein © privat

Zehn Dinge, die Sie schon immer über den Geschichtsverein Aalen wissen wollten, aber nie zu fragen wagten! Am 11. Dezember 2022 feiert der Geschichtsverein Aalen seinen 50. Geburtstag mit einem großen Jubiläumsfest. Grund genug für Stadtarchivar Dr. Georg Wendt, einen Blick auf die vergangenen Jahrzehnte zu werfen und die zehn spannendsten Erkenntnisse mit den SchwäPo-Lesern zu teilen.

Der Geschichtsverein Aalen ist nicht der erste stadthistorische Verein

Tatsächlich regte bereits am 22. Juli 1912 der damalige Oberbürgermeister Friedrich Schwarz bei einem Vortrag an, einen Altertumsverein zu gründen. 45 Mitglieder erklärten sofort ihren Beitritt. Zweck des Vereins war es, „Altertümer und andere interessante Gegenstände aus Stadt und Bezirk Aalen zu sammeln und zu erhalten“. Außerdem sollte der Verein ehrenamtlich helfen, das 1907 gegründete Schubartmuseum zu verwalten. Vom tatsächlichen Wirken dieses Vereins während der chaotischen Jahre des Ersten Weltkriegs ist wenig bekannt. 1919 erledigte sich mit der zwischenzeitlichen Schließung des Schubartmuseums jedenfalls sein Vereinszweck und der Verein verschwand im Dunkeln der Geschichte.

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Schubart war von Anfang an dabei

Erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs rafften sich Bürger rund um die Heimatforscher Hugo Theurer, Bernhard Hildebrand, Emil Bayer und Willi Henne auf, einen neuen Geschichtsverein zu gründen. Am 11. Oktober 1949 gab sich diese zunächst lose Arbeitsgemeinschaft den Namen „Schubartbund für Heimatkunde“. Zum Vereinszweck gehörten jetzt auch die Veröffentlichung von heimatkundlichen Arbeiten sowie die Veranstaltung von Vorträgen. Besonders stolz waren die Aalener aber vor allem auf ihren namensgebenden Dichter und Musiker Schubart. 1963 feierte man in seinem Andenken einen Liederabend mit dem Stuttgarter Musikprofessor Krämer. Der anwesende Reporter zeigte sich ganz aufgewühlt: „Ein Abend für und mit Schubart – man muss dafür dankbar sein.“ Bis heute steht das Erinnern an den berühmtesten Sohn Aalens prominent in der Vereinssatzung.

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Verein und Stadtarchiv gehören zusammen

Ende der 1960er Jahre begann der Schubartbund zu kriseln. Grund: Buchhändler Willi Henne, Herz und Seele des Vereins, erkrankte und starb 1968. Ohne ihn ging nichts mehr beim Verein. „D’Schtadt“ griff helfend ein. OB Schübel nämlich wünschte sich für Aalen schon lange einen Altertums- und Geschichtsverein wie in Ellwangen. Ende 1967 beauftragte er seinen Stadtarchivar Hubert Plickert, eine entsprechende Satzung vorzubereiten. Doch dauerte es nochmal fast fünf Jahre, ehe Plickert bei einem Arbeitstreffen in der Bahnhofswirtschaft ausgewählte Mitglieder des Schubartbundes überzeugen konnte, einen neuen Verein zu gründen. Der Erste Vorsitzende in spe, Dr. Paul Edel, war nach dem Scheitern der beiden Vorgängervereine skeptisch: „Ich bin ja gespannt darauf, ob sich eine genügende Anzahl von Mitgliedern bereitfinden wird, einige Stunden im Jahr von ihrer geliebten Fernseh-Zeit für altertümliche Zwecke abzuzweigen. Aalen ist seit Jahrhunderten auf unseren Gebieten nicht vorprogrammiert, da fehlen die Voraussetzungen im Stammhirn, aber vielleicht gelingt es doch, den Verein zum Leben zu erwecken.“ Stadtarchivar Plickert wusste Dr. Edels Sorgen zu zerstreuen: Im neuen Verein nämlich sollte fortan stets der jeweilige Stadtarchivar die Geschäftsführung übernehmen. Dadurch erhielt der neue Geschichtsverein nicht nur ein starkes Fundament. Das Stadtarchiv profitierte auch von der Nähe zu Bürgerinnen und Bürgern. Eine Vereinbarung, die sich bis heute für beide Seiten bewährt hat.

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Der Verein ist auch für Wasseralfingen, Unterkochen oder Fachsenfeld da

Geschichtsvereine erinnern nicht nur an die Vergangenheit. Sie definieren auch gemeinsame Traditionen und Werte und bringen die Bürger einer Stadt zusammen. So verwundert es nicht, dass die Gründung der letzten beiden Aalener Geschichtsvereine in Zeiten fielen, als es galt, vielen neuen Bürgern ein Zuhause zu schaffen. Schon bei der Gründung des Schubartbundes 1949 hieß es angesichts tausender Vertriebener aus Schlesien oder Sudeten, „den Neubürgern die Schönheiten und Besonderheiten ihrer neuen Heimat aufzuzeigen.“ Gut 20 Jahre später galt es dann, die zugefügten Schmerzen der Eingemeindungen in Wasseralfingen oder Unterkochen zu lindern. Im Einladungsschreiben zur Gründung des Geschichts- und Altertumsvereins formulierte Stadtarchivar Plickert: „Bei dem stürmischen Wachstum der Stadt müssen unsere Bürger lernen, in größeren Räumen zu denken. Und es gilt, eine Brücke zwischen dem Aalen der Vergangenheit und dem Aalen unserer Tage zu schlagen.“ Bis heute versteht sich der Geschichtsverein als ein Verein für die Gesamtstadt und bietet ein Zuhause für Lokalinitiativen in den Stadtbezirken: zum Beispiel beim Erhalt der Kocherburgruine in Unterkochen oder beim Erinnern an die Jenischen-Tradition in Fachsenfeld.

Dem Verein ist niemand treuer als Schatzmeister Uhl

Am 11. Dezember 1972, um 20 Uhr, lud der Schubartbund für Heimatpflege ein letztes Mal zur Mitgliederversammlung in den Roten Ochsen. Zweck: Überführung des Schubartbundes in den neuen „Geschichts- und Altertumsverein Aalen e.V.“ Die Anwesenden ließen sich einstimmig überzeugen: 25 Damen und Herren traten sofort dem Verein bei und wählten den Vorstand: Neben Plickert als Geschäftsführer und Dr. Edel als ersten Vorsitzenden amtierten Kreisarchivar Bernhard Hildebrand als zweiter Vorsitzender und Roland Uhl als Schatzmeister. Im Laufe der Jahrzehnte wechselten sich vier Geschäftsführer und sechs erste Vorsitzende ab. Roland Uhl aber blieb der treue Schatzmeister bis zum heutigen Tag. Absolut rekordverdächtig!

Der Verein geht auch dahin, wo es wehtut

Im Dezember 1977 stellte sich dem Geschichts- und Altertumsverein ein neuer Geschäftsführer vor: Stadtarchivar Karlheinz Bauer. Er verwirklichte, was sich die Mitglieder des Geschichtsvereins lange wünschten: Eine regelmäßige Publikation mit Aufsätzen über die Aalener Stadtgeschichte. Ab 1978 erschien das Aalener Jahrbuch im Zweijahrestakt und die Leute rissen ihm die Bücher aus der Hand. Über 800 Erstexemplare wurden innerhalb von vier Monaten verkauft. Da Vereinsmitglieder den Band vergünstigt erhielten – Schwaben können rechnen, verdoppelte sich die Mitgliederzahl zwischen 1978 und 1986 auf über 300. In seinen Aufsätzen griff Karlheinz Bauer auch unbequeme Themen auf. Insbesondere für die Publikationen zum Nationalsozialismus musste er teils scharfe Kritik von der Erlebnisgeneration einstecken. Der Vorstand rund um Günther Schubert hielt jedoch stets zu seinem streitbaren Geschäftsführer. Bauers Nachfolger, Dr. Roland Schurig, setzte die Tradition des Aalener Jahrbuchs ab 1996 fort, obwohl ab der Jahrtausendwende deutlich weniger Texte eingereicht wurden. Bis zum heutigen Tag sind über 300 Aufsätze erschienen, die detailreich die Aalener Stadtgeschichte erzählen. Seit 2018 werden die Forschungsergebnisse im Aalener Jahrbuch Online durch den aktuellen Stadtarchivar ergänzt.

Der Verein „gibt keine Ruhe“

Im Februar 1990 warf SchwäPo-Chefredakteur Erwin Hafner dem Geschichtsverein vor, nicht Stellung zu beziehen gegen den Abriss von historischen Gebäuden bei der Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes. Als „Schpio“ schimpfte Hafner: „Ja, ond no mei Altertumsverei, mit seiner Alibifunktio für d’Schtadt ond da OBee. D‘Vorsitz hot dr Schtellvertreter vom Birkhold ond a paar net ganz owichtige Rothausbeamte sen drzua no em Vorschtand. So ka der Vrei beim beschta Willa koi Gegagwicht zur Schtadt sei – ond scho gar nets Gwissa für da Denkmolsschutz.“ Der Geschichtsverein also ein Schoßhündchen des Rathauses? Der eine oder andere (ehemalige) Oberbürgermeister würde da vehement widersprechen. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte hat der Geschichtsverein auch immer wieder Zähne gezeigt. Schon seit 1987 setzte sich der Verein für die Fortführung der Tradition des Heimat- und Schubartmuseums ein. Vor allem der Erste Vorsitzende Konrad Theiss forderte das 2013 bei der Weiterentwicklung des Museumskonzepts ein. Den damaligen OB ließ er wissen: „Wir geben keine Ruhe!“ Seit der Jahrtausendwende engagiert sich der Verein aber auch international. Vor allem dem zweiten Vorsitzenden Gerhard Kayser war und ist es ein großes Anliegen, Rudolf Duala Manga Bell zurück ins städtische Gedächtnis zu holen. Schon 2004 lud der Verein Bells Großneffen Jean-Pierre Félix-Eyoum nach Aalen ein, um über das tragische Schicksal des „Prinzen aus Kamerun“ zu berichten, der fünf Jahre in Aalen lebte und 1914 ein Justizopfer der deutschen Kolonialmacht wurde. Der Einsatz hat sich gelohnt: 2022 beschloss der Aalener Gemeinderat, den Platz an der Ritterschule nach Bell zu benennen.

Geschichtsvereinsmitglieder sind Reiseweltmeister

Schon der Schubartbund für Heimatfreunde organisierte die ersten kleineren Exkursionen in der Umgebung. Erstmals leitete Stadtarchivar Plickert im Mai 1964 eine Fahrt „durch das Land der Staufer“. Die SchwäPo lobte: „Regen sollte die ganze Exkursion berieseln, indes aber wurde sie dennoch zu einem schönen Erlebnis, um das alle Teilnehmer reicher wurden.“ Diese Tradition setzte der Geschichtsverein Aalen mehr als fort: Ab 1978 bot der Verein mindestens zwei kleine Fahrten jährlich an, ab 1984 durften sich die Mitglieder sogar über mindestens eine große mehrtägige Fahrt jährlich freuen. Die große Reiselust aber packte den Verein ab 1996 dank des tatkräftigen Einsatzes des neuen Führungsgespanns: Erster Vorsitzender Alois Schubert und Stadtarchivar Dr. Roland Schurig. Sie entführten den Geschichtsverein auch ins europäische Ausland nach Wien (1996), Prag (1997), Budapest (2002), Südtirol (2007) oder London, Ravenna (2008), Venedig (2013) und ins Elsass (2019). Für 2023 ist eine Rückkehr nach Prag vorgesehen.

Ohne „Altertum“, aber preisverdächtig

Bereits seit 30 Jahren macht sich der Verein Gedanken um den Nachwuchs. Bei der Mitgliederversammlung 1993 schlug Frau Volk-Uhlmann vor, einen Preis für Abiturienten zu stiften – verbunden mit einer Mitgliedschaft im Geschichtsverein. Eine gute Idee: Seit 1997 ehrt der Geschichtsverein mit dem Wilhelm-Jakob-Schweiker-Preis Schülerinnen und Schüler mit großem Interesse für das Fach Geschichte. 1993 diskutierte der Verein aber auch über den Vereinsnamen. „Klingt der Name Geschichts- und Altertumsverein nicht etwas altertümlich?“, fragte sich Günther Schubert. Im Juli 2011 strich man das Altertum aus dem Namen und formierte nur noch unter „Geschichtsverein Aalen e.V.“. 

Digital in die Zukunft

Jüngere Mitglieder versucht der Verein aber auch auf neuen Wegen zu erreichen. Seit 2007 nennt der Verein eine Website sein eigen (www.aalen.de/geschichte) und unterstützt seit 2016 den neuen Stadtarchivar Dr. Georg Wendt redlich bei seinen Online-Projekten: Sei es bei Podcasts („Briefe von Willi“, „Aalen 72“), dem Aalener Jahrbuch Online oder der DVD-Produktion der „Aalener Wochenschauen“ aus den 1950er Jahren. Die Mühen zeigen Wirkung: Heute gehört der Verein mit knapp 260 Mitgliedern zu den aktivsten Geschichtsvereinen in Baden-Württemberg.

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